Advanced Open Water Diver: Der Tauchschein für Fortgeschrittene

Dez 1, 2022 | 0 Kommentare

Das Wichtigste in Kürze

  • Für diesen Kurs musst du den Open Water Diver absolviert haben
  • Du musst mindestens 12 Jahre alt und medizinisch tauchtauglich sein
  • Die Organisationen PADI und SSI bieten standardisierte AOWD-Kurse an
  • Jeder Kurs besteht aus Theorie und fünf Freiwassertauchgängen
  • Du absolvierst einen Tieftauchgang und einen für die Navigation
  • Die anderen drei kannst du aus einer großen Auswahl wählen
  • Das Ganze kostet dich um die 450 Euro

Du hast bereits den Open Water Diver absolviert und erste Taucherfahrungen gesammelt? Jetzt möchtest du „mehr“ deine Kenntnisse erweitern und dir das Brevet für Fortgeschrittene abholen? Dann liegst du mit dem Advanced Open Water Diver genau richtig, denn in diesem Kurs übst du Tarieren, Navigieren und Tieftauchen zusätzlich zu drei weiteren Spezialtauchgängen deiner Wahl. Das Ganze findet bei PADI oder bei SSI statt, mit wenigstens einer dieser Organisationen bist du sicher schon vertraut.

In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über deinen Advanced Open Water Diver, kurz AOWD, von den Voraussetzungen über den Ablauf bis hin zu den Kosten. Außerdem halten wir gemeinsam Ausschau nach dem besten Ort für deinen Lehrgang, ob in deiner Tauchschule um die Ecke oder im Urlaub irgendwo in der weiten Welt.

PADI versus SSI: Wo mache ich meinen Advanced Open Water Diver?

Ebenso wie den „kleinen Bruder“, den Open Water Diver, haben PADI und SSI auch den Fortgeschrittenenkurs Advanced Open Water Diver im Angebot. Beide Tauchverbände sind international anerkannt und haben ihre Tauchkurse zweckmäßig standardisiert. Neue Erkenntnisse fließen regelmäßig mit ein, sodass sich Konzepte auch mal ändern können.

  • SSI steht für Scuba Schools International. Sie ist die zweitgrößte Tauchorganisation und stammt aus dem Jahr 1977.
  • PADI steht für Association of Diving Instructors. Die Organisation stammt aus dem Jahr 1966, sie ist die größte ihrer Art weltweit.

Die Unterschiede sind gering. Du kannst von einer zur anderen Organisation wechseln: Wenn du deinen Open Water Diver bei PADI gemacht hast, steht einem Advanced Open Water Diver bei SSI nichts im Wege – und andersherum. Die Kosten fallen ebenfalls ungefähr gleich aus. Du hast also jetzt die Chance, beide Institutionen nacheinander kennenzulernen und dir dein eigenes Bild zu machen.

Das sind die Unterschiede zwischen PADI und SSI

Falls du von PADI zu SSI wechselst – oder in die andere Richtung –, merkst du bestimmt, dass die Kursbezeichnungen leicht unterschiedlich sind. Der Grundkurs heißt noch bei beiden gleich, danach kommt bei PADI der Advanced Open Water Diver und bei SSI der Advanced Adventurer. Die Art der Wissensvermittlung unterscheidet sich ebenfalls ein wenig, aber das Wichtigste ist identisch: der eigentliche Kursinhalt. Wahrscheinlich suchst du deine Tauchschule eher nicht nach SSI oder PADI aus, sondern nach dem Ort, der dir für den Lehrgang am besten gefällt. Der Fortgeschrittenenkurs bietet hervorragende Gelegenheit, sich in schönen Gefilden unter Wasser umzusehen, das solltest du dir nicht entgehen lassen!

Welche ist der beste Tauchplatz für meinen AOWD?

Eine deutsche Tauchschule in deiner Nähe mag die bequemste und vielleicht auch günstigste Variante sein (schließlich musst du nicht „extra“ in den Urlaub fahren), besonders abenteuerlich erscheint diese Lösung aber nicht. Die meisten fortgeschrittenen Taucher entscheiden sich für einen exotischen Ort mit einer farbenfrohen Unterwasserwelt und warmem Wasser.

Das Rote Meer bietet sich zu diesem Zweck an. In Ägypten winken viele preiswerte Urlaubsmöglichkeiten und eine ganze Reihe hochwertiger Tauchschulen, teilweise unter europäischer Leitung. Ähnliches gilt für die Region rund ums Mittelmeer, allerdings ist dort die Unterwasserwelt nicht ganz so farbenprächtig. Alternativ stehen zahlreiche Tauchstationen auf den Kanaren und in den USA bereit, zum Beispiel an der Pazifikküste Richtung Monterey Bay. Skandinavische Länder sind nicht ganz so begehrt, weil bezüglich der Temperaturen eher ungemütlich, dafür aber umso abenteuerlicher.

Besonders häufig wählen Taucher für ihren Advanced Open Water Diver die Insel Koh Tao in Thailand aus. Das ist die typische „Tauchinsel“ mit niedrigen Preisen, strömungsarmem Gewässer und perfekter Sicht. Die Tauchbasen am Bodensee sowie an unserer Nord- und Ostsee stehen damit nicht wirklich in Konkurrenz, doch das Ausbildungsniveau bewegt sich auf gleicher Höhe und du wirst ein Stück weit abgehärtet.

Das spricht für dein örtliches Tauchcenter

Natürlich spricht viel dafür, dir einen schönen Tauchurlaub irgendwo am anderen Ende der Welt zu gönnen. Trotzdem hat die Nutzung deines örtlichen Tauchcenters für den Advanced Open Water Diver einiges für sich. Hier die wichtigsten Vorteile:

  • Du musst nicht extra einen Urlaub buchen
  • Du unterstützt deine lokale Tauchgemeinschaft
  • Du lernst das lokale Ökosystem kennen
  • Du triffst auf andere Taucher deiner Region

Vielleicht sind neue Freundschaften für dich mit „drin“: Leute, mit denen du zukünftig auf Tauchexkursion gehst, als vertraute Buddys und Gleichgesinnte.

Welche Voraussetzungen muss ich für den AOWD mitbringen?

Natürlich kannst du nicht direkt bei den Fortgeschrittenen starten, sondern musst erst den Open Water Diver von SSI oder PADI nachweisen, um am AOWD-Kurs teilzunehmen. Für Minderjährige ist der Junior Open Water Diver oder eine qualifizierende Zertifizierung der Beginnerstufe die wichtigste Voraussetzung, um den Advanced Open Water Diver in Angriff zu nehmen. Außerdem solltest du gesundheitlich tauchfähig und nicht unter 12 Jahre alt sein.

Als minderjährige Person musst du das schriftliche Einverständnis deines gesetzlichen Vertreters vorweisen. Alle Teilnehmer füllen einen medizinischen Fragebogen aus, bei dem absolute Ehrlichkeit gefragt ist, sonst könnte es für dich gefährlich werden. Beantwortest du eine der Fragen mit Ja, musst du dir ein ärztliches Attest zur Tauchtauglichkeit beschaffen, sonst bist du nicht mit dabei.

Hinweis:

Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung kennst du sicher schon. Du solltest sie regelmäßig durchführen lassen, um dich nicht womöglich zu gefährden. Gerade wenn du nun „waschechter, erfahrener Taucher“ wirst, mit vielen Ambitionen, die Welt zu erobern, sollte der Besuch beim Taucharzt ganz oben auf deiner Liste stehen.

Die medizinischen Anforderungen kurz erläutert

Du benötigst ein gewisses Maß an Fitness und Gesundheit, um an dem AOWD-Kurs teilnehmen zu können. Falls du chronisch oder akut erkrankt bist, bestimmte Medikamente brauchst oder gerade eine Operation hinter dir hast, musst du dir ein ärztliches Attest besorgen. Möchtest du im Voraus auf Nummer sichergehen, dann lade dir bei PADI das Formular „Diver Medical“ herunter, um alle Fragen zu beantworten. Frage deinen Tauchlehrer nicht nach medizinischem Rat, sondern wende ich an einen Arzt. Nur dort bist du an der richtigen Adresse.

Unser Tipp:

Die Ärzte von Dive Alert Network (DAN) sind echte Experten auf dem Gebiet des Tauchens. Falls dir also dein Hausarzt nicht weiterhelfen kann oder du ihm eine Entscheidung nicht zutraust, wende dich an dieses Netzwerk.

Wichtige Informationen für minderjährige Taucher

Für deine erfolgreiche Teilnahme am Advanced Open Water Diver Kurs erhältst du als Minderjähriger ein spezielles Brevet. Hier die verschiedenen Varianten bei PADI:

  • Im Alter von 10 bis 11 Jahren kannst du das Junior Adventure Diver Brevet erlangen, das ohne Tieftauchgang auskommt. Mit 12 Jahren fügst du dann das Tieftauchen hinzu und erhältst dein Junior Advanced Open Water Diver Brevet.
  • Im Alter von 12 bis 14 Jahren ist das Junior Advanced Open Water Diver Brevet mit dem erforderlichen Tieftauchgang dein direktes Ziel.
  • Ab einem Alter von mindestens 15 Jahren erhältst du dein Advanced Open Water Diver Brevet. Das gilt sowohl für den Fall, dass du den Kurs jetzt erst absolvierst, als auch dafür, wenn du mit Junior Advanced Open Water Brevet 15 Jahre alt wirst. Jedes neue Brevet wird ab deinem 15. Geburtstag auf AOWD ohne den Zusatz „Junior“ ausgestellt.

Das ist der Ablauf eines Advanced Open Water Diver Tauchkurses

Schauen wir uns den Ablauf des Tauchkurses bei PADI an. Achtung: Bei SSI kann es ein wenig anders sein, aber das fällt kaum ins Gewicht. Du bildest dich fort in Unterwassernavigation, Tieftauchen und drei von dir selbst gewählten Spezialbereichen. Am Anfang stehen die Theorie – und die Vorübungen mit dem Instructor. Daran schließen sich fünf Freiwassertauchgänge an. Eine schriftliche Prüfung gibt es nicht.

  1. 1. Selbststudium mittels PADI eLearning®: Innerhalb von 6 bis 8 Stunden absolvierst du deine interaktiven digitalen Lektionen. Dabei dreht sich alles um 13 besonders populäre Bereiche des Tauchens. Du lernst Wichtiges über die Unterwassernavigation, das Tieftauchen, das Tauchen in größerer Höhe und das Bootstauchen. Du lernst, wie man digitale Unterwasseraufnahmen macht, was man beim Strömungstauchen beachten muss und wie das Tauchen im Trockentauchanzug funktioniert. Außerdem befasst du dich mit den Themen Fischbestimmung, perfekte Tarierung, Nachttauchen, Unterwasser Naturalist, Wracktauchen sowie Suchen und Bergen. Ein spannender Mix also, der dich in vielen Bereichen fitter macht.
  2. Tauchgänge mit deinem Instructor: Spätestens jetzt begibst du dich zu deinem Tauchcenter für ein paar Trockenübungen und die nachfolgenden fünf Tauchgänge. Darunter ist ein Tieftauchgang auf mindestens 18 Meter Tiefe, ein Tauchgang für die Navigation und die bereits erwähnten drei Tauchgänge deiner Wahl. Die Auswahl stellen wir später genauer vor. Im Advanced Open Water Diver Kurs geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und Selbstvertrauen aufzubauen – und natürlich deine Tauchfähigkeiten deutlich zu erweitern. Insgesamt kostet dich das zwei bis drei Tage, nicht viel mehr. Die maximale Tauchtiefe liegt je nach Alter bei 30 Meter. Die Tauchgänge können in beliebiger Reihenfolge stattfinden.

Zwischen diesen Tauchgängen darfst du wählen:

  • Deep (Tieftauchen)
  • Digital Underwater Photographer (Unterwasserfotografie)
  • Dive Against Debris (Tauchen gegen die Verschmutzung)
  • Enriched Air Nitrox (mit Nitrox angereicherte Luft)
  • Dry Suit (Trockenanzugtauchen)
  • Fish Idenfication (Fischbestimmung)
  • Peak Performance Buoyancy (Tarieren in Perfektion)
  • Night (Nachttauchen)
  • Unterwater Naturalist (Unterwassernatur)
  • Search & Recovery (Suchen & Bergen)
  • Wreck Diver (Wrachtauchen)
  • Underwater Navigation (Unterwassernavigation)

Du siehst: Alle diese Themenfelder hast du bereits theoretisch abgearbeitet. Es können sogar noch einige mehr mit dabei sein. Eine gute Vorgehensweise besteht darin, das auszuwählen, was dich während deines eLearnings am meisten anspricht.

Hinweis:

Jeden Tauchkurs aus dem AOWD-Programm kannst du dir als entsprechenden Spezialkurs anrechnen lassen. Nimmst du zum Beispiel am Nachttauchen teil, erhältst du auf Anfrage einen Eintrag in dein Brevet für das Nachttauchen.

Welche Ausrüstung muss ich für den Tauchkurs mitbringen?

Du brauchst deine übliche Tauchausrüstung, gegen eine Gebühr kannst du dir an der Tauchbasis einiges Zubehör leihen. Außerdem solltest du mit Kompass, Tauchermesser und eventuell weiterem Taucherwerkzeug auftauchen. Bringe auch deinen Tauchcomputer und die Unterwasserstiefel mit. Für diese Utensilien besteht ebenfalls meist die Möglichkeit, sie vor Ort zu erwerben oder auszuleihen.

Für deine Spezialtauchgänge ist die zugehörige Ausrüstung gefragt, zum Beispiel benötigst du für die Unterwasserfotografie natürlich eine taugliche Unterwasserkamera. Im Zweifelsfall ist dein Anlaufpunkt immer deine Tauchbasis mit deinem Instructor, der dich berät.

Was kostet mich der Advanced Open Water Diver?

Auch die Kosten für deinen Advanced Open Water Diver sind hochinteressant. Sie bestehen aus den folgenden Komponenten:

  • Unterrichtsgebühr bei PADI oder SSI
  • Zusatzkosten für E-Learning-Material
  • Kaufpreis oder Miete für Ausrüstung
  • Taucherflachen-Befüllung
  • Eventuelle Reisekosten

Buchst du deinen PADI eLearning Kurs oder den theoretischen Part bei SSI über die Webseite der jeweiligen Organisation, zahlst du nur die Gebühr für diesen Teil des Kurses. Die praktischen Übungen und Tauchgänge mit deinem Instructor vor Ort gehen extra. Diese Kosten fallen unterschiedlich aus, je nachdem, wie groß der Kurs ist, in welcher Umgebung ihr taucht und ob du extra Equipment anmieten musst. Erkundige dich am besten direkt bei deiner Tauchbasis.

Realistisch ist ein Preis von 250 Euro für den praktischen Teil und 130 Euro für das eLearning. Doch es gibt Abweichungen nach oben und unten.

Falls du dazu einen Urlaub buchst, zum Beispiel in der Türkei oder in Ägypten, kommen noch die Reise- und Unterbringungskosten hinzu. Doch zahlst du diese sicher nicht allein fürs Tauchen, sondern auch für deine Erholung und für diverse Abenteuer an Land.

Hinweis:

Bedenke bei der Ortswahl, dass südostasiatische Tauchstationen besonders günstige Kurse anbieten, während es in Deutschland und Skandinavien normalerweise erheblich teurer wird. Das Ausbildungsniveau ist in etwa überall gleich, weil die Tauchorganisationen internationale Standards implementiert haben. Doch gibt es gute und schlechte Tauchlehrer, darum macht es Sinn, auf persönliche Empfehlungen zu setzen.