Tauchtauglichkeitsuntersuchung – Definition & Notwendigkeit

Jun 29, 2020 | 0 Kommentare

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Wer sich unter Wasser begibt, setzt seinen Körper einem Druck aus, für den er aus medizinischer Sicht nicht geschaffen ist. Taucht man 30 Meter unter die Wasseroberfläche, wirkt bereits ein Druck von vier Bar auf den Körper. Daher sollten alle körperlichen Aspekte im Vorfeld im Detail abgeklärt werden.
Eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist für Freizeittaucher nicht verpflichtend, wird jedoch dringend empfohlen. Es handelt sich hierbei um eine Maßnahme zur Tauchunfallprävention. Mediziner sind sich einig, dass der Aufenthalt der Menschen in einer extremen Umgebung mit gesundheitlichen Risiken behaftet ist. Um diese so gering wie möglich zu halten, wird bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchung sowohl der gesundheitliche als auch der allgemeine Zustand des Tauchers genau untersucht.

 

—Inhaltsverzeichnis—

Definition: Tauchtauglichkeitsuntersuchung

Unter einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist eine ärztliche Untersuchung zu verstehen, mithilfe derer sichergestellt werden soll, dass das Tauchen für die betroffene Person aus gesundheitlicher Sicht kein Risiko darstellt. Die körperliche Gesundheit ist für Berufs- und Sporttaucher gleichermaßen wichtig und ist daher im Vorfeld unbedingt medizinisch abzuklären.

Seinen Ursprung hat der Begriff der Tauchtauglichkeit im Militär und dem kommerziellen Tauchen. Führt man diesen Gedanken weiter, bedeutet er, dass die Tauchtauglichkeitsuntersuchung sowohl durch militärische Dienstvorschriften als auch durch berufsgenossenschaftliche Grundsätze und Gesetze beeinflusst und geregelt wird. Für das Sporttauchen gelten diese Regularien allerdings nicht. In diesem Rahmen handelt es sich vielmehr um eine Vorsorgeuntersuchung, die das Ziel verfolgt, hyperbarmedizinische Risiken für den Patienten abzuschätzen.

Notwendigkeit einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung

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Durch eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung können Tauchunfälle vermieden werden. Beschränken lässt sich dies jedoch nur auf Tauchunfälle, die auf hyperbarmedizinische Ursachen zurückgeführt werden können. Da das Tauchen für den Körper gesundheitliche Risiken mit sich bringt, sollte die körperliche Leistungsfähigkeit im Vorfeld genau beurteilt werden. Insbesondere wenn Vorerkrankungen vorliegen, sollte auf eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung keinesfalls verzichtet werden. Zu Vorerkrankungen, die die Tauchtauglichkeit einschränken können, gehören beispielsweise Asthma oder Diabetes. Liegen Vorerkrankungen vor, muss im Einzelfall geprüft werden, ob ein Tauchattest ausgestellt werden kann. Sie dienen demnach der Prävention, weshalb jeder Taucher eine solche Tauchtauglichkeitsbescheinigung haben sollte.

Eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung stellt fest, ob der Tauchsport für den Patienten möglich ist, oder ob aus gesundheitlicher Sicht ein zu hohes Risiko besteht. Selbst Tauchkandidaten mit Testergebnissen, die nicht perfekt sind, können dem Tauchsport nachgehen. Die Grenzwerte legen fest, in welchem Rahmen sich die Ergebnisse bewegen müssen, damit eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung ausgestellt werden kann.
Sollte der Arzt bei der Untersuchung Einschränkungen der normalen Tauchtauglichkeit feststellen, kann er beispielsweise die empfohlene maximale Tauchtiefe des Tauchers reduzieren oder das Tauchgangsprofil anderweitig anpassen. Er hat also die Möglichkeiten, die Risiken, denen ein Taucher ausgesetzt sein könnte, zu minimieren.

Wie wird eine Tauchtauglichkeits­untersuchung durchgeführt?

In der Regel handelt es sich bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung um eine Kombination aus unterschiedlichen Untersuchungsmethoden. Am Anfang der Untersuchung wird eine detaillierte Befragung des Tauchkandidaten durchgeführt, durch die unterschiedliche Faktoren abgedeckt werden. Außerdem wird ein Fragebogen abgearbeitet, mit dem diverse Aspekte aus unterschiedlichen Bereichen beleuchtet werden. Beantwortet werden diese Fragen im Ermessen des Arztes.

Was wird bei einer Tauchtauglichkeits­untersuchung untersucht?

Bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung wird neben persönlichen und mentalen Attributen die körperliche Gesundheit des Tauchkandidaten untersucht. Den Schwerpunkt bildet dabei die Befragung der Krankenvorgeschichte (Anamnese). Dem Arzt wird durch dieses Vorgehen ermöglicht, einen genauen Eindruck von dem allgemeinen Gesundheitszustand des Tauchkandidaten zu bekommen.

Untersuchung der körperlichen Gesundheit

Untersuchung der körperlichen GesundheitNachdem die Krankengeschichte im Detail beleuchtet wurde, gilt es, die aktuelle Verfassung des Tauchkandidaten in den Blick zu nehmen. Hierbei wird nach gesundheitlichen Störungen gesucht, die das Risiko eines Tauchunfalls erhöhen können. Im Idealfall deckt die körperliche Untersuchung alle Organsysteme ab. Auch das Trommelfell und die Gehörgänge werden in diesem Schritt in den Blick genommen, da sie bei einem Tauchgang durch den ständigen Druckausgleich enormen Belastungen ausgesetzt werden. Besonders der Druckausgleich gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten beim Sporttauchen und kann bei Nichtausführung zu einem Riss des Trommelfells führen. Insgesamt umfasst die körperliche Untersuchung folgende Bereiche:• Das Herz

• Die Lunge
• Die Ohren und Nebenhöhlen
• Die Leistungsfähigkeit

Je nach Alter und Gewicht der betroffenen Person können zusätzliche Untersuchungen hinzukommen, um ausschließen, dass alters- oder gewichtbedingte Faktoren die Tauchtauglichkeit einschränken könnten. In entsprechenden Fällen können beispielsweise Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs angeordnet werden, um die Funktionsfähigkeit genauer in den Blick nehmen zu können. 

Neben den körperlichen Untersuchungen befasst sich auch der Fragebogen mit der körperlichen Gesundheit des Tauchkandidaten. Berücksichtigt werden unter anderem folgende Aspekte:

• Ist der Patient rein körperlich in der Lage, längere Strecken zu schwimmen?
• Hat der Patient eine Krankheit oder Veranlagung, die durch das Tauchen verschlimmert werden kann?
• Gibt es körperliche Ursachen, die ein Barotrauma begünstigen?

Untersuchung der psychischen Gesundheit

Nicht nur die körperliche, auch die psychische Stabilität ist für das Tauchen wichtig. Da der Körper insbesondere bei Tauchanfängern einer Stresssituation ausgesetzt ist, soll durch die psychische Anamnese sichergestellt werden, dass der Tauchkandidat auch in solchen Situationen angemessen und durch die Vernunft geleitet reagieren kann.

• Kann der Patient angemessen und klar mit Mitmenschen kommunizieren?
• Weist er den nötigen Grad an mentaler Reife und Eigenverantwortung auf?
• Gibt es Gründe, dass plötzliche Panik entstehen könnte?

Kann jeder Arzt eine Tauglichkeitsuntersuchung durchführen?

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In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine speziellen Tauchärzte. Daher gibt aus gesetzlicher Sicht keine festgelegten Anforderungen an eine tauchsportärztliche Untersuchung. Aus diesem Grund ist jeder Hausarzt dazu befugt, eine entsprechende Tauchtauglichkeitsuntersuchung durchzuführen. Taucher können sich demnach bei ihrem Hausarzt eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung für den Tauchsport ausstellen lassen.

Jeder Hausarzt, der eine entsprechende Untersuchung durchführt, sollte sein Hauptaugenmerk auf das Aufdecken potenzieller Risikofaktoren legen, die einen Tauchunfall erhöhen können. Eine gewissenhafte Anamnese ist das A und O und sollte tauchspezifische Risikofaktoren unbedingt abdecken. Hierunter fallen Aspekte wie Beschwerden der Bewusstseinstrübung oder mögliche Orientierungsstörungen.

Taucher haben also die Wahl, von welchem Arzt sie sich ihre Tauchtauglichkeit bestätigen lassen, da gesetzlich keine Regularien festgesetzt sind. Ihnen sollte bei der Wahl des Taucharztes allerdings bewusst sein, dass ein Tauchmediziner deutlich qualifiziertere Aussagen treffen und individuelle Situationen aufgrund seiner speziellen Ausbildung und der Erfahrungswerte besser beurteilen kann. Um sich auf den Bereich der Tauchmedizin zu spezialisieren, bietet die deutsche Ärztekammer Fortbildungen rund ums Thema Tauchen an, in welchen die Ärzte ihre tauchmedizinischen Kenntnisse vertiefen können.

Wie lange ist ein Tauchattest gültig und was empfiehlt die GTÜM?

Wie lange ein Tauchattest gültig ist, ist nicht grundsätzlich geregelt. Da sich der Gesundheitszustand aber jederzeit ändern kann, wird empfohlen, die Tauglichkeitsuntersuchung in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Eine gesetzliche Regelung für die Intervalle gibt es nur für Berufstaucher. Sie sind dazu verpflichtet, ihre Tauchtauglichkeit jährlich untersuchen zu lassen. Auch nach längerer Krankheit müssen sich Berufstaucher einer neuen Tauchtauglichkeitsuntersuchung unterziehen.

Für Freizeittaucher werden lediglich Empfehlungen ausgesprochen. Das empfohlene Untersuchungsintervall für Freizeittaucher hängt vom Lebensalter ab. Vor dem 18. und ab dem 40. Lebensjahr wird eine jährliche Tauchtauglichkeitsuntersuchung empfohlen. Dass sich die Untersuchungsintervalle im Alter verkürzen liegt daran, dass das Risiko, an einer Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen zu erkranken, steigt. Jedoch handelt es sich auch hierbei nur um Empfehlungen. Sollten sich bei den tauchsportärztlichen Untersuchungen Auffälligkeiten ergeben, könnten sich hieraus weitere Abklärungen ergeben, bevor die Tauchfähigkeit bescheinigt werden kann.

Da es allerdings die eigene Gesundheit und im Zweifelsfall das eigene Leben ist, für die eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung ausschlaggebend sein kann, sollte den Empfehlungen der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) stets Folge geleistet werden.

Ist eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung wirklich notwendig?

Ja. Selbst wenn man die eigene Gesundheit außen vor lassen würde, wäre man mehr oder minder gezwungen, sich einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung zu unterziehen. Tauchschulen und Tauchbasen verlangen häufig eine entsprechende ärztliche Bescheinigung, bevor sie ihre Dienste anbieten. Durch eine durchgeführte Tauchtauglichkeitsuntersuchung können sich Tauchschulen und Tauchbasen rechtlich absichern.
Mittlerweile verlangen die meisten Tauchbasen auf der ganzen Welt von Tauchern einE ärztliche Bescheinigung. Gleiches gilt für eine Vielzahl von Reiseveranstaltern. Entsprechende Institutionen haben hierdurch die Möglichkeit, Haftungsausschlüsse bei möglichen Unfällen geltend zu machen.
Trotz der Gefahr, die damit einhergeht, reicht es einigen Tauchbasen, wenn die körperliche Gesundheit vom Taucher selbst bestätigt wird. In einem solchen Fall geht das mit dem Tauchgang verbundene Risiko vollständig auf den Taucher über und Versicherungen können im Falle eines Unfalls die Behandlungskosten zurückfordern oder Auszahlungen verweigern.

Wie viel kostet eine Tauchtauglichkeits­untersuchung?

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Wer sich einer tauchsportärztlichen Untersuchung unterzieht, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass es sich hierbei grundsätzlich um eine individuelle Gesundheitsleistung handelt. Dies bedeutet, dass die Krankenkasse für eine solche Untersuchung nicht aufkommt. Dies gilt für gesetzlich und privat Versicherte gleichermaßen.

Der Preis für eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung lässt sich nicht pauschal festlegen. Insbesondere der nicht unerhebliche Aufwand für den Taucharzt, aber auch mögliche zusätzliche Untersuchungen sollen, so die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM), bei der Kostenberechnung ausreichend berücksichtigt werden. Ausschlaggebend für die Kosten ist also der Umfang der Untersuchung. Im Durchschnitt belaufen sich die Kosten zwischen 85€ und 110€. Dies mag auf den ersten Blick viel Geld für eine Untersuchung sein. Jedoch sollte sich jeder Betroffene die Frage stellen, wie viel mehr Wert das eigene Leben ist und daher Bereitschaft zeigen, den Preis für eine solche Untersuchung zu zahlen.

Unfälle beim Tauchen sind zwar nach wie vor selten. Passieren sie aber, sind sie meist auf gesundheitliche Probleme zurückzuführen, auf die ein Taucharzt bei Untersuchung hätte aufmerksam machen können.