Open Water Diver Ausbildung: Die Lizenz zum Tauchen

Aug 4, 2022 | 0 Kommentare

Der Open Water Diver ist deine dauerhafte Eintrittskarte zur Unterwasserwelt. Dieser zertifizierte Tauchkurs rüstet dich mit Know-how und grundlegender praktischer Erfahrung aus, sodass du von jetzt an überall auf der Welt deine eigenen Tauchgänge unternehmen kannst. Aufbauend auf diesen Grundkurs gibt es weitere Kurse, die dir noch mehr Kenntnisse und Sicherheit vermitteln.

Hier erfährst du alles über deine Lizenz zum Tauchen: wofür du sie brauchst, wie der Kurs abläuft, was er dich kostet und welche Voraussetzungen du erfüllen musst. Zusätzlich gehen wir der Frage nach, wo du deinen Lehrgang am besten absolvierst, ob im Urlaub oder bei der Tauchschule vor Ort.

PADI oder SSI: Bei wem den Open Water Diver machen?

Zwei große, international anerkannte Organisationen haben den Open Water Diver im Angebot: PADI und SSI. Die beiden Tauchverbände sind in fast 200 Ländern der Erde vertreten und bieten dort ihre standardisierten Tauchkurse an. Sie sind für die Entwicklung von Unterrichtskonzepten zuständig, legen allgemeingültige Standards fest und reagieren zeitnah auf neue Erkenntnisse.

  • PADI ist die Abkürzung für Professional Association of Diving Instructors. Es handelt sich um die größte Tauchorganisation der Welt, gegründet wurde sie 1966.
  • SSI ist die Abkürzung für Scuba Schools International. Sie steht an zweiter Stelle der weltweit größten Ausbildungsverbände für Taucher, gegründet im Jahr 1970.

Die Standards beider Institutionen sind weitgehend gleich, die einzelnen Kurse recht ähnlich aufgebaut. Zum erfolgreichen Kursabschluss lockt immer ein Brevet in Kreditkartenform, das du bei allen Tauchcentern der Welt vorlegen kannst. Es ist kein Problem, den Open Water Diver zum Beispiel bei PADI zu absolvieren und Folgekurse bei SSI zu buchen. Auch preislich macht es so gut wie keinen Unterschied.

In diesen Punkten unterscheiden sich PADI und SSI

Zwischen PADI und SSI gibt es trotzdem kleine, aber feine Unterschiede. Als erstes fallen die Bezeichnungen der einzelnen Kurse ins Auge: Der Open Water Diver existiert bei beiden Organisationen, der dazu passende Aufbaukurs heißt bei PADI Advanced Open Water Diver und bei SSI Advanced Adventurer. Auch andere Kursnamen unterscheiden sich, die Inhalte sind jedoch weitgehend gleich mit kleinen Abweichungen in der Wissensvermittlung.

Der größte Unterschied besteht darin, dass PADI Tauchlehrer nicht an ein PADI-Tauchcenter gebunden sind, um neue Taucher auszubilden und zu zertifizieren. SSI-Tauchlehrer hingegen müssen sich an ein SSI-Dive-Center binden.

An welchem Tauchplatz soll ich meinen Open Water Diver machen?

Die meisten Tauchscheine im Jahr werden in Thailand ausgestellt, genauer gesagt auf Koh Tao, der weltbekannten Tauchinsel, die alle Neulinge lieben. Die Preise liegen hier im niedrigen Bereich, das Wasser ist warm und strömungsarm, die Sicht perfekt. Zu sehen gibt es tropische Korallenriffe mit Walhaien und Rochen.

Natürlich musst du nicht dasselbe machen, was „alle“ machen. Im Roten Meer fühlen sich ebenfalls viele Tauchanfänger wohl und auch im Mittelmeer beginnen zahlreiche Newbies ihre Tauchkarriere. Ebenso existieren gute Tauchbasen in den USA , auf den Kanaren und sogar in den kalten skandinavischen Ländern. Das ist zwar nicht ganz so gemütlich, verspricht aber einen Hauch von Abenteuer.

Nicht zu vergessen die zahlreichen deutschen Tauchbasen, nicht nur an Nord- und Ostsee, sondern ebenfalls an verschiedenen Seen, zum Beispiel am Bodensee. Vielleicht musst du nicht einmal in den Urlaub fahren, um dein Brevet zu erwerben!

Welche Voraussetzungen gelten für den Open Water Diver?

Wer den Open Water Diver anstrebt, muss mindestens 10 Jahre alt und tauchtauglich sein. Minderjährige benötigen das schriftliche Einverständnis eines gesetzlichen Vertreters. Du solltest natürlich keine Angst vor Wasser haben, musst aber nicht unbedingt schwimmen können. Taucher bewegen sich völlig anders vorwärts als Schwimmer.

Bei der Anmeldung wartet ein medizinischer Fragebogen auf dich, den du unbedingt ehrlich ausfüllen musst. Wenn du eine der Fragen mit Ja beantwortest, benötigst du ein ärztliches Attest zur Tauchtauglichkeit.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, unterzieht sich als Taucher regelmäßig einer medizinischen Tauchtauglichkeitsuntersuchung. Dabei nimmt ein ausgebildeter Taucharzt deinen gesamten Körper gründlich unter die Lupe.

Die wichtigsten Fakten zur Tauchtauglichkeitsuntersuchung

Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist, wie gesagt, nicht in jedem Fall Voraussetzung, um in einen Open Water Diver Kurs einzusteigen. Wir empfehlen sie zum eigenen Schutz, vor allem bei bestehenden gesundheitlichen Problemen, da das Tauchen eine große Herausforderung für den menschlichen Körper darstellt. Wiederhole die Untersuchung möglichst in folgenden Intervallen, wenn du aktiver Taucher bist:

  • Kinder u. Jugendliche: jährlich
  • Erwachsene unter 40 Jahre: alle drei Jahre
  • Erwachsene über 40 Jahre: wieder jährlich

Hinweis:

Rechne damit, dass einige Tauchbasen zum Beispiel an deinem Urlaubsort, einen Nachweis über eine aktuelle Tauchtauglichkeitsuntersuchung von dir verlangen. Manche Tauchcenter geben ohne dieses Attest keine Ausrüstung heraus und lassen dich nicht an Kursen teilnehmen. Informier dich am besten vorher!

Der Taucharzt untersucht dein Herz-Kreislauf-System, deine Ohren und Nebenhöhlen, deine Atemwege und natürlich die Lunge. Außerdem nimmt er dir Blut- und Urinproben ab, um versteckten Erkrankungen auf die Spur zu kommen. Sprich deinen Hausarzt darauf an, vielleicht bist du bei ihm oder ihr bereits an der richtigen Stelle – oder du erhältst eine Empfehlung für eine Praxis in der Nähe. Das fachärztliche GTÜM-Zertifikat (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin) weist dir außerdem den Weg.

Was ist, wenn ich durch die Tauchtauglichkeitsuntersuchung falle?

Durch die Tauchtauglichkeitsuntersuchung fällst du in der Regel nur bei schweren Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge sowie bei nicht behandeltem Bluthochdruck und instabilen Diabetes-Werten. In diesen Fällen schafft eine medikamentöse Behandlung oftmals Abhilfe und es kommt zu einer eingeschränkten Bescheinigung der Tauchtauglichkeit. Schlussendlich kann das aber nur dein Taucharzt entscheiden, auf dessen medizinische Kenntnisse du vertrauen solltest.

Abkürzung: Kann ich nicht einfach den Scuba Diver machen?

Der Scuba Diver ist in zwei Tagen abgehakt und kostet entsprechend weniger als der Open Water Diver. Wäre es nicht eine gute Idee, erst einmal damit anzufangen? Beachte, dass du mit dem Scuba Diver nur ungefähr die Hälfte der Kenntnisse eines Open-Water-Diver-Kurses vermittelt bekommst. Danach darfst du Tauchgänge bis zu 12 Meter in Begleitung eines professionellen Tauchers unternehmen, nicht mit einem Hobbytaucher. Wer die volle Tauchbefähigung bis 18 Meter anstrebt, startet besser gleich mit dem Open Water Diver. Einen Tauchbuddy solltest du trotzdem immer dabeihaben, das ist eine der wichtigsten Sicherheitsregeln.

So läuft ein Open Water Diver Tauchkurs ab

Im Open Water Diver eignest du dir zuerst theoretische Kenntnisse an, bevor es zum praktischen Teil übergeht. Du übernimmst Flachwassertauchgänge und echte Open Water Tauchgänge. Reserviere dir dafür 3 bis 4 Tage, je nachdem, welches Tauchcenter du wählst. In seltenen Fällen kann es etwas kürzer oder länger dauern.

Der Schnuppertauchgang:

Die meisten Tauchschulen führen regelmäßig Schnuppertauchgänge durch, bei PADI nennt sich das Discover Scuba Diving (DSD). Ein solcher Termin gibt dir die Gelegenheit, das Tauchen ein wenig kennenzulernen, ohne dich direkt auf einen Open Water Diver Kurs festzulegen. Entschließt du daraufhin, in den Kurs einzusteigen, zählt das DSD als dein erster Tauchgang. Der Schnupperkurs dient als kleines Lockmittel, das seinen Zweck meistens erfüllt.  

Der theoretische Teil:

Digitales Lernen hat ebenfalls bei PADI und SSI Einzug gehalten. Du musst nicht mehr unbedingt an einem Präsenzseminar vor Ort teilnehmen, um die theoretischen Grundlagen zu lernen. Als Teilnehmer erhältst du einen Zugang zum eLearning-Programm sowie Lernvideos auf DVD. Damit kannst du, wenn du magst, schon daheim mit dem Lernen beginnen und sparst dadurch wertvolle Urlaubszeit.

Vor Ort (oder auf digitalem Weg) geht dein Tauchlehrer alle Fakten noch einmal mit dir gemeinsam durch. Dann kannst du ihm alle deine Fragen stellen.

Der Flachwasserteil:

Im Flachwasserteil (Pool oder Strandbereich) übst du das Ausblasen deiner Maske sowie des Atemreglers und das Verhalten in verschiedenen Notsituationen. Dein Tauchlehrer erklärt dir alles, während ihr gemeinsam im Wasser steht. Dieser Abschnitt ist in 1 bis 3 Durchgängen abgeschlossen. Bei den Open Water Tauchgängen gibt es noch einmal eine Wiederholung dieses Lernstoffs, denn die Sicherheit steht an erster Stelle.

Der Open Water Part:

Jetzt geht es ab ins Freiwasser! Normalerweise warten 4 Tauchgänge auf dich, entweder im Meer oder in einem See. Manche Tauchschulen bieten mehr Tauchgänge an, eventuell mit preislichem Aufschlag. Meistens geht es mit dem Boot hinaus aufs Wasser, dort lernst du, wie du eintauchst und deinen Körper unter Wasser tarierst. Du sollst dabei ein Gefühl fürs Tauchen entwickeln, eine zunächst sehr fremde Erfahrung, die tatsächlich im Laufe der Tauchgänge zu einem vertrauten Erlebnis wird.

Alle deine Tauchgänge trägst du in dein neues Logbuch ein, deine Tauchschule fügt eine Bestätigung mit Stempel und Unterschrift hinzu. Es gibt genug Platz für persönliche Anmerkungen, zum Beispiel darüber, welche Fische du gesehen hast.

Die Abschlussprüfung:

Jeder Kurs, auch der Open Water Diver, endet mit einer Abschlussprüfung. Dieser ist im Multiple-Choice-Format gehalten und enthält die wichtigsten Fragen aus dem gerade absolvierten Seminar. Wer 75 Prozent richtig hat, erhält seinen Tauchschein, auch Brevet genannt.

Die meisten Tauschschüler bestehen die Prüfung auf Anhieb. Solltest du zu den Unglücklichen gehören, die im ersten Anlauf durchfallen, macht das nicht viel aus. Dein Tauchlehrer wird dir erklären, was du falsch gemacht hast, und dann wiederholst du deinen Test. Jetzt sollte alles klar sein und du kannst dein neues Hobby nach Herzenslust erobern.

Was kostet mich der Open Water Diver?

Zuletzt bleibt noch die Frage nach den Kosten des Open Water Divers. Sie setzen sich zusammen aus:

  • Unterrichtskosten
  • Lehrmaterial
  • Miete für die Ausrüstung
  • Befüllung der Taucherflasche

Wenn du den Open Water Diver im Urlaub machst, kommen noch die Anreise- und Unterbringungskosten hinzu. Allerdings wirst du nicht allein für den Tauchschein anreisen, sondern am Zielort andere Abenteuer und deine Erholung suchen. Dementsprechend relativiert sich dieser Punkt.

Je nach Ort unterscheiden sich die Preise für den Open Water Diver. In Südostasien ist der Kurs besonders günstig zu haben, dort fallen die Reisekosten mehr ins Gewicht. An einem Bergsee in den Alpen musst du wahrscheinlich deutlich mehr bezahlen, hast aber einen kürzeren Anfahrtsweg.

Das Mittel liegt ungefähr zwischen 300 und 500 Euro, manchmal wird es mehr, mal etwas weniger. Viele Tauchcenter berechnen die Brevetierungsgebühr, auch Prüfungsgebühr, extra.

Hinweis:

Das Ausbildungsniveau hängt weder vom Preis noch vom Land ab. Die internationalen Standards gelten überall, doch die Tauchlehrer setzen sie leicht unterschiedlich um. Entweder richtest du dich mit deiner Wahl nach persönlichen Empfehlungen oder du versuchst einen Glücksgriff ins Blaue. Meistens hat das Erfolg.

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