Apnoetauchen – Wissenswertes zum Freediving

Jun 25, 2020 | 0 Kommentare

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Das Phänomen des Tauchens zieht viele Menschen in seinen Bann. Neben dem normalen Gerätetauchen, welches durch eine externe Sauerstoffzufuhr unterstützt wird, erfreut sich das Apnoetauchen immer größerer Beliebtheit. Einige Taucher spezialisieren sich mittlerweile auf diese Form des Tauchens. Beim Freitauchen kommen die Taucher nicht nur körperlich, sondern häufig auch mental an ihre Grenzen, weshalb in beiden Bereichen gleichermaßen Stärke gefordert wird. Dieser Kick verleiht dem Apnoetauchen eine gewisse Attraktivität.

 

—Inhaltsverzeichnis—

Was ist Apnoetauchen?

Unter dem Begriff Apnoetauchen ist der Vorgang des Freitauchens mit einem Atemzug zu verstehen. Dies bedeutet, dass der Taucher vor dem Abtauchen einatmet und für den Tauchgang ausschließlich die ihm dadurch zur Verfügung stehende Luft zur Verwendung hat. Der Begriff Apnoe stammt aus dem Griechischen und beschreibt den Zustand des Nicht-Atmens.

Aus medizinischer Sicht grenzt das Apnoetauchen an ein Wunder. Es ist kaum zu erklären, wie der Mensch in einer derartigen Extremsituation fähig ist, zu überleben, da das Luftanhalten über eine lange Zeit dem Naturell des Menschen widerspricht.

Wie lange kann man ohne Sauerstoff unter Wasser bleiben?

Die Fähigkeit des Luftanhaltens unter Wasser wird dadurch eingeschränkt, dass es sich beim Atmen um einen menschlichen Reflex handelt. Ausgelöst wird der Reflex durch den steigenden Kohlendioxidgehalt im Blut. Wie lange ein Mensch die Luft anhalten kann, ist individuell mehr oder minder stark ausgeprägt. Daher gilt es, diesen Reflex beim Apnoetauchen bewusst zu steuern und ihn zu unterdrücken.

Mithilfe unterschiedlicher Atemtechniken, können Freitaucher lernen, den Atemreflex über einen längeren Zeitraum zu unterdrücken. Der Anstieg des Kohlendioxidgehalts kann jedoch auch durch die beste Technik und meiste Übung nicht aufgehalten werden. Aufgrund dessen ist die Zeit unter Wasser für jeden Apnoetaucher begrenzt. Fällt der Sauerstoffgehalt im Blut unter eine bestimmte Grenze, wird der Taucher ohnmächtig.

Gibt es spezielle Techniken um Apnoetauchen zu lernen?

Taucher können auf unterschiedliche Techniken zurückgreifen, um sich auf das Apnoetauchen vorzubereiten. Mithilfe entsprechender Vorgehensweisen kann der Kohlendioxidgehalt im Blut im Vorfeld gesenkt werden. Effektiv hierfür sind eine bewusste Atmung, aber auch Hyperventilation. Während der Kohlendioxidgehalt im Blut gesenkt werden kann, ist es kaum möglich, den Sauerstoffgehalt gleichzeitig zu erhöhen. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Sauerstoffgehalt im Blut eines gesunden Menschen bereits 98 % beträgt.

Das Erlernen der Technik wird im Groben in zwei unterschiedliche Phasen unterteilt. Im ersten Schritt lernen Anfänger das bewusste Atmen und setzen sich mit ihrem Atemreflex auseinander. Durch zusätzliches Schwimmen und Laufen wird das Lungenvolumen und die Belastbarkeit trainiert. Im weiteren Vorgehen lernen die Taucher die Anzeichen eines Sauerstoffmangels im Blut kennen, sodass sie im Stande sind, in Zukunft ihre eigenen Grenzen frühzeitig zu erkennen.

Bewusstes Training für das Apnoetauchen führt zur Entspannung des Tauchers, wodurch die Herzfrequenz gesenkt wird. Hochtrainierte Extremsportler haben einen Ruhepuls von sechs bis acht Schlägen pro Minute, wodurch der Sauerstoffverbrauch auf ein absolutes Minimum reduziert wird. Hinzu kommt, dass das Herz und die Lunge von Extremsportlern den Körper auch bei überdurchschnittlicher Belastung mit ausreichend Sauerstoff versorgen können.

Risiken beim Freediving

Das Apnoetauchen birgt für den Taucher unterschiedliche Risiken. Zurückzuführen sind diese auf die enorme Belastung, die der Körper durch das Tauchen ausgesetzt ist. Mediziner beschreiben das Apnoetauchen als eine Situation, in der der Körper einem völligen Ausnahmezustand ausgesetzt ist und an seine Grenzen gebracht wird.

Druckausgleich bei Freitauchern

Nicht nur der Sauerstoffverbrauch stellt die Taucher vor eine Herausforderung. Auch der Druckausgleich, der in regelmäßigen Intervallen vom Taucher vorgenommen werden muss, muss im Blick behalten werden. Taucher haben bei einem Tieftauchgang aufgrund der Notwendigkeit des Druckausgleichs keine Möglichkeit, frühzeitig aufzutauchen. Der Umgebungsdruck, dem Taucher unter Wasser ausgesetzt sind, steigt beim Abtauchen um rund 1 Bar, je 10 Meter. Für die Lunge bedeutet dies, dass ihr Lungenvolumen bereits bei einer Tiefe von 30 Metern auf ein Viertel schrumpft.

Auswirkungen hat der Druck auf jeden Körper, der mit Luft gefüllt ist. Steigt der Druck, steigen die Auswirkungen auf physiologische und neurologische Vorgänge im Körper. Um keine Verletzungen davonzutragen, müssen Taucher sich im Vorfeld an die Umgebung anpassen und entsprechende Techniken zum Druckausgleich erlernen.

Apnoe: Gefahr durch Sauerstoff-Engpass

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Durch das Absenken des Kohlendioxidgehalts im Blut steigt die Fähigkeit des Körpers, den Sauerstoff zu binden. Dies führt dazu, dass im Blut mehr Sauerstoff gespeichert werden kann als durch die normale Atmung. Es kann unter Umständen zu einer Verzögerung des Atemreflexes kommen. Dies kann für den Taucher sowohl positive als auch negative Folgen haben. Wird Sauerstoff durch Anstrengung verbraucht und Kohlendioxid produziert, tritt der Atemreiz ein. Wird der Tauchgang nach einer Hyperventilation durchgeführt, sinkt die Reaktionsschwelle des Körpers und der Atemreiz setzt verspätet ein. Dies kann dazu führen, dass der Taucher sein Bewusstsein plötzlich verliert.

Was passiert, wenn man die Luft zu lange anhält?

Zwar kann die Tauchzeit mithilfe bestimmter Techniken verlängert werden, jedoch birgt dies zur gleichen Zeit ein Risiko für den Freediver. Durch gezielte Atemtechniken bekommt er zwar mehr Zeit für den Tauchgang, jedoch kann der Atemreflex sich so lange hinauszögern, dass er erst dann einsetzt, wenn der notwendige Sauerstoffgehalt des Blutes bereits unterschritten wurde und die Ohnmacht eintritt.

Um das Risiko einer plötzlich eintretenden Ohnmacht zu reduzieren, werden Apnoetauchgänge wie auch beim Gerätetauchen grundsätzlich mindestens zu zweit durchgeführt. Dies dient der gegenseitigen und abwechselnden Absicherung.

Warum kann man die Luft nicht lange anhalten?

Beim Atmen handelt es sich um einen menschlichen Reflex. Dieser Atemreiz wird ausgelöst, wenn der Stickstoffanteil im Blut ansteigt und der Anteil des Sauerstoffs äquivalent dazu sinkt. Das Hirn bekommt das Signal, dass der Körper mit Sauerstoff versorgt werden muss, um nicht zu ersticken. Zu dem Zeitpunkt, an dem der Körper den Befehl gibt, zu atmen, ist in der Regel noch ausreichend Sauerstoff im Blut vorhanden. Ausgelöst wird der Reflex zu Atmen demnach nicht aufgrund des tatsächlichen Sauerstoffmangels, sondern aus der Angst zu ersticken.

Welche Ausrüstung braucht man fürs Apnoetauchen?

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Für Anfänger des Apnoetauchens reicht eine einfache ABC-Tauchausrüstung. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Maske, Schnorchel und Taucherflossen. Ein Neoprenanzug ist ebenfalls sinnvoll, da der Körper so warm gehalten und der Sauerstoffverbrauch reduziert wird.
Fortgeschrittene benötigen für das Apnoetauchen einige spezielle Ausrüstungsgegenstände. Angefangen beim Neoprenanzug, der aus elastischem Neopren gefertigt sein sollte. Auch die Flossen unterscheiden sich von denen eines Anfängers. Hier wird meist auf sogenannte Monoflossen zurückgegriffen, um zu schwimmen und zu tauchen, wie ein Delfin. Die Monoflosse ist eine speziell gestaltete Flosse mit einer 12- bis 15-mal größeren Vortriebsfläche als die menschlichen Füße. Sie besteht meist aus glasfaserverstärktem oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. In der Mitte der Monoflosse befindet sich ein Fußteil für beide Füße. Dieses ist aus Gummi und im Inneren meist mit Neopren gepolstert. Der Vortrieb erfolgt durch eine kraftvoll schlagende Wellenbewegung.

Apnoetauchen als Leistungssport

Apnoetauchen kann, genauso wie das normale Tauchen, als Leistungssport betrieben werden. Ausgerichtet werden Apnoe Tauchwettkämpfe von dem Verband der AIDA. Das von dem Internationalen Verband zur Förderung und Weiterentwicklung des Apnoetauchens entwickelte Regelwerk hält Sicherheitsstandards und Bedingungen zur Anerkennung von Leistungen schriftlich fest.
Unterschieden wird im Bereich des Leistungssports zwischen dem Pool- und Tief-, sowie dem Zeittauchen.

Apnoe Zeittauchen

Beim Zeittauchen wir die Zeit des Apnoetauchens mit einem Atemzug gemessen. Hierbei liegt der Freediver mit dem Gesicht nach unten im Wasser und bewegt sich in der Regel nicht.

Apnoe Streckentauchen

Das Streckentauchen lässt sich in unterschiedliche Disziplinen einteilen. Bei allen Disziplinen befindet sich der Taucher bereits vor dem Abtauchen im Wasser. Differenziert wird zum einen zwischen dem Apnoetauchen mit und ohne Flossen. In beiden Disziplinen wird die Strecke gemessen, die während der Apnoe zurückgelegt wird. Beim Streckentauchen auf Zeit geht es darum, eine bestimmte Distanz mit einem Atemzug zu tauchen, währenddessen die Zeit gemessen wird. Gestoppt wird die Zeit, sobald der Freediver die Wasseroberfläche durchstößt beim Auftauchen.

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Apnoe Tieftauchen

Bild von Jakob Boman auf Pixabay

Das Tieftauchen wird als Wettkampfdisziplin in zwei unterschiedlichen Variationen durchgeführt. Grundsätzlich geht es beim Tieftauchen darum, dass der Taucher beim Apnoetauchen so tief wie möglich unter die Wasseroberfläche abtaucht. Bei einem Tauchgang mit konstantem Gewicht ist es dem Taucher erlaubt, seinen Abtrieb durch zusätzliche Gewichte zu beschleunigen und somit zu erleichtern. Wichtig ist dabei allerdings, dass er vor dem Auftauchen die Gewichte nicht lösen darf, was bedeutet, dass er hier mehr Kraft aufwenden muss.
Anders verhält es sich beim Freediving mit variablem Gewicht. Das Gewicht befördert den Taucher in die Tiefe. Hier ist es ihm erlaubt, das Gewicht zu lösen und ohne Gewicht wieder aufzutauchen.
Beim Tieftauchen ohne Limit gelten für den Freediver keinerlei technische Beschränkungen. In die Tiefe gelangt der Taucher in der Regel mithilfe eines Schlittens, der ihn zieht. Mit eben diesem wird der Taucher auch wieder an die Oberfläche gezogen. Die eigene Leistung des Tauchers besteht bei dieser Vorgehensweise in erster Linie darin, den Druckausgleich ideal zu bewältigen.

Was ist der Weltrekord im Apnoetauchen?

Unterteilt werden die Weltrekorde nach Disziplin und Geschlecht. Verantwortlich für die Vergabe der Auszeichnungen und der Ernennung der Rekorde ist die AIDA International.

 

Bereich

Disziplin

Damen

Herren

Pool

Zeittauchen

9:02 Min

11:35 Min

 

Streckentauchen ohne Flossen

191 m

244 m

 

Streckentauchen mit Flossen

243 m

300m

Tieftauchen

Konstantes Gewicht, ohne Flossen

73 m

102 m

 

Konstantes Gewicht, mit Flossen

107 m

130 m

 

Free Immersion

92 m

125 m

 

Variables Gewicht, mit Flossen

130 m

146 m

 

No Limit

160 m

214 m