10 ultimative Tauchhandzeichen für dein Buddy-System

Jun 15, 2018 | 0 Kommentare

Der größte Fehler, den ein Tauchanfänger machen kann ist es, allein zu tauchen. Einer oder mehrere Tauchpartner gehören genauso zum verantwortungsbewussten Tauchen dazu wie eine gute Sauerstoffversorgung. Ein Partner kann in entscheidenden Momenten dafür sorgen, dass man sich selbst nicht überschätzt, zu schnell abtaucht, auftaucht oder zu lange unter Wasser bleibt. Gleichzeitig sorgt die Anwesenheit eines Partners dafür, dass man bewusster taucht, weil man selbst auf das Tauchverhalten des Partners achtet. Eines was allerdings oft zu Problemen unter Wasser führt ist die Kommunikation.

Deshalb haben wir 10 ultimative Tauchhandzeichen für jedes Buddy-System zusammengestellt, das in keinem Wortschatz eines Tauchers fehlen darf.

 

—Inhaltsverzeichnis—

Was sind Handzeichen im Buddy-System?

Zunächst aber etwas zu Handzeichen im Allgemeinen beim Tauchen. Wie bereits angesprochen, ist es unter Wasser schwierig, sich mit anderen Tauchern oder seinem Buddy zu verständigen. Da im Sporttaucherbereich nicht auf die eigenen akustisch-sprachlichen Verständigungswege zurückgegriffen werden kann, muss eine Zeichensprache verwendet werden. Nur beim professionellen Tauchen wird Ausrüstung genutzt, die alternative Kommunikationsmöglichkeiten unter Wasser bei einem Tauchgang ermöglichen. Die entsprechende Ausrüstung ist allerdings viel zu aufwendig und teuer, um sie auch im Hobbytauchen einzusetzen. Eine Zeichensprache setzt es allerdings voraus, dass man aufeinander achtet, den Gegenüber ansieht und zudem die gezeigten Signale auch versteht. Gerade bei einer solchen nicht-muttersprachlichen Sprache, die von beiden Seiten neu gelernt werden muss, ist es notwendig, dass beide die Zeichen „im Schlaf“ beherrschen und es auch im Notfall nicht zu Missverständnissen im Buddy-System kommt. Insgesamt gibt es mehr als 160 verschiedene Zeichen, mit denen sich Taucher auf Ereignisse, Absichten, Fragen, Aufforderungen und Gefahren aufmerksam machen können oder mit deren Hilfe sie sogar wichtige Zahlenwerte beim Tauchen übermitteln können.

Woher stammen die Handzeichen?

Der Ursprung dieser modernen Handzeichen im Tauchsport liegt bei der WRSTC, dem Ausbildungsverband World Recreational Scuba Training Council. 1999 beschloss der Verband, weltweite Standards für die Verständigung unter Wasser zu beschließen, die in einer Tauchausbildung Verwendung finden sollten. Seit 2005 gibt es 31 international verbindlich vorgeschriebene Handzeichen, die in keinem Buddy-System fehlen dürfen. Zehn der grundlegendsten Handzeichen möchten wir in den folgenden Abschnitten vorstellen.

Alles in Ordnung

Eines der grundlegendsten Handzeichen, welches man beim Tauchen ständig benötigt ist das Zeichen für OK. Tatsächlich ist es so wichtig, dass es gleich mehrere Variationen des Zeichens gibt, die wir hier alle vorstellen möchten. Zunächst ist man aus dem allgemeinen Alltag sicherlich dazu verleitet, zum Signal des eigenen Wohlbefindens den Daumen nach oben zu recken. In der Taucherhandzeichensprache hat dieses Signal jedoch eine andere Bedeutung. Der nach oben gereckte Daumen bezeichnet nämlich die Absicht, auftauchen zu wollen. Da dieser Wunsch in den seltensten Fällen für Wohlbefinden spricht, sorgt es sehr häufig für Missverständnisse.

Das reguläre Handzeichen für OK ist hingegen eine hochgestreckte Hand, bei der sich Zeigefinger und Daumen zu einem O treffen und alle restlichen Finger nach oben gestreckt werden. In einigen Fällen kann es jedoch sein, dass dein Buddy dieses Zeichen nur schwer sehen kann. Hat man beispielsweise Handschuhe an, werden alle vier Finger mit dem Daumen zu einem O zusammengeschlossen.

Dieses Zeichen gilt bei einem Tauchgang gleichzeitig auch als Frage, ob mit dem Buddy alles in Ordnung ist und wird mit eben diesem Zeichen positiv beantwortet. Über der Wasseroberfläche hingegen und aus größerer Entfernung werden zur Frage, ob mit jemand anderem alles in Ordnung ist, beide Arme O-förmig über dem Kopf zusammengeführt, wobei sich oben die Fingerspitzen berühren. Wird dies nur mit einem Arm ausgeführt und die Fingerspitzen zeigen auf den eigenen Kopf, dann bedeutet dies so viel wie: „OK? Alles OK bei mir.“ Gerade bei einem solch essenziellen Zeichen wie OK ist es wichtig, dass es in jeder möglichen Situation klar verständlich ist. Daher sollten all diese Zeichenvarianten in jedem Buddy-System beherrscht werden.

Bist du OK? oder Ich bin OK!Dive hand signal OK 1.png
Von Peter SouthwoodEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Ich bin OK! an der OberflächeDive hand signal OK surface 1.png
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Boot oder Schiff

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Von Peter SouthwoodEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Kein Taucher möchte während eines Tauchgangs das Boot aus den Augen verlieren, welches im Anschluss wieder sicher den Hafen ansteuert. Entsprechend ist es wichtig, sich beim eigenen Buddy danach erkundigen zu können. Das standardisierte Zeichen entspricht zwei ausgestreckten, geöffneten und leicht gehöhlten Händen, die an eine bittende Geste erinnern. Optisch erinnert das Zeichen an den Rumpf eines Bootes und ist so sehr einfach verständlich.

Schau!

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Von Thomei08Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Eine weitere sehr wichtige Geste, wenn es darum geht den Buddy auf eine bestimmte Sache aufmerksam zu machen, ist das Zeichen für „Schau hin“. Das Handzeichen ist denkbar einfach und viele kennen es sicherlich auch aus dem normalen Alltag. Dazu wird der Arm mit der Hand vor das eigene Gesicht gehalten und der Zeige- und Mittelfinger werden abgespreizt. Jeder der beiden Finger zeigt auf ein Auge. Bei dieser Geste handelt es sich um ein Zeichen, welches sowohl über als auch unter Wasser die gleiche Bedeutung besitzt. Entsprechend dürfte es in der Anwendung kaum zu Missverständnissen kommen.

Stopp!

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Von Peter SouthwoodEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Gleiches gilt für den Ausruf „Stopp!“. Dieser wird üblicherweise durch eine hochgehaltene flache Hand symbolisiert, bei der die Finger nah aneinandergepresst sind und die Handinnenfläche nach vorne zeigt. Diese Geste besitzt auch unter Wasser diese Bedeutung. Möchte man den Buddy dazu bewegen innezuhalten, da eine unmittelbare Gefahr droht oder damit wichtige weitere Absprachen getroffen werden können, dann führt eine entsprechende Geste in der Regel dazu, dass beide Taucher einander verstehen.

Entspann oder beruhig dich!

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Von Peter SouthwoodEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Der erste Tauchgang kann ganz schön aufregend sein und oft ist es nicht einfach, jede zuvor gelernte und verinnerlichte Regel oder Geste jederzeit abrufen zu können. In einer Umgebung, die für einen Anfänger neu ist und in der der Mensch ohne eine entsprechende Ausrüstung nicht über einen längeren Zeitraum überleben kann, kann da durchaus schon einmal Unruhe entstehen. In einem solchen Fall ist es von großer Wichtigkeit, dass schnell und eindeutig vermittelt werden kann, dass der Buddy sich beruhigen soll. Die entsprechende Aussage „Keine Hektik“ oder „mach langsam“ wird durch eine flache Hand dargestellt, die mit der Handfläche nach unten auf und ab bewegt wird. Auch diese Bewegung kennen die meisten sicherlich von der Oberfläche.

Mir ist kalt.

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In Fällen, in denen ein Tauchgang nicht so abläuft wie eigentlich geplant und man sich bemerkbar machen möchte, weil man gerne wieder an die Oberfläche möchte, dann kann man dies, wie wir bereits erwähnt haben, mit einem ausgestreckten Daumen Richtung Oberfläche signalisieren. Doch es ist auch möglich, spezifischere Aussagen zu formulieren. Analog zur typischen Körpergeste, wenn es einem kalt ist, gelten auch unter Wasser zwei vor dem Körper verschränkte Arme als entsprechendes Signal. Wichtig: Dabei sollten die Handflächen ausgestreckt sein und nicht zu Fäusten geballt sein. Sonst nämlich hat die Geste eine andere Bedeutung, auf die wir später noch zu sprechen kommen werden.

Umkehren!

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Kälte ist nur ein Beispiel für einen Grund, umzukehren und den Weg zurück zum Boot anzusteuern. Hat man einen Buddy, so sollte diesem rechtzeitig signalisiert werden, wenn Probleme bestehen. Um den Wunsch zu vermitteln, dass die Rückkehr angetreten werden soll, muss lediglich die Hand mit einem nach oben gereckte Zeigefinger gedreht werden.

Gefahr!

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Das nächste Tauchhandzeichen ähnelt stark einem früheren, hat allerdings eine sehr andere Bedeutung. Während zwei vor dem Körper verschränkte Arme mit ausgebreiteten Handflächen Kälte signalisieren, bedeutet die gleiche Körpergeste mit zu Fäusten geballten Händen, dass eine Gefahr droht. Zwar gibt es auch spezifische Zeichen für bestimmte Gefahren, darunter ein Handzeichen für Hai, Muräne oder Steinfisch, allerdings ist es in vielen Fällen sinnvoll ein allgemeines Zeichen für „Gefahr“ zu besitzen, welches zunächst eine Alarmbereitschaft auslöst und im Anschluss spezifiziert werden kann.

Brauche Hilfe! Oder Notfall!

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Sollte man als Taucher einmal tatsächlich direkte Hilfe vom Tauchpartner benötigen, so schwenkt man einen Arm seitlich neben dem Körper bis über den Kopf und zurück. Dieses Tauchhandzeichen funktioniert sowohl über als auch unter Wasser und ist bei klarer Sicht über weite Entfernungen sichtbar.

Ich habe keine Luft mehr!

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Von Peter SouthwoodEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Die letzte sehr wichtige Tauchgeste ist eine, die niemand gerne ausführen, geschweige denn vom Tauchpartner gezeigt bekommen möchte. Diese Geste, die in sich bereits keinen positiven Eindruck macht, signalisiert, dass dem Zeigenden das Atemgas ausgegangen ist. In einem solchen Fall ist ein Aufsteigen zur Oberfläche höchste Zeit, um zu verhindern, dass beide Taucher sich für die sofortige Rückkehr eine Atemgasflasche teilen müssen.

Kombinationen und alternative Zeichen

Wie bereits an einigen Stellen deutlich geworden ist, können viele Tauchhandzeichen in Kombination mit anderen Gesten genutzt werden und dies wird auch in der Praxis so getan. Das Zeichen für Gefahr allein, das Stopp-Zeichen oder die Schau-hin-Geste haben für sich allein keine ausreichende Erklärungskraft und müssen von weiteren Tauchhandzeichen begleitet werden. Darüber hinaus gibt es auch noch andere Arten von Zeichen, mit deren Hilfe sich Taucher im Buddy-System verständigen können. Insbesondere wenn es unter Wasser dunkel ist oder die Sichtweite nicht reicht, können Lichtzeichen die Handzeichen ergänzen. Alternativ können Handzeichen auch per Berührung des Körpers des anderen Tauchers weitergegeben werden.

Fazit und Zusammenfassung für Eilige

Damit eine unmissverständliche Verständigung zwischen Tauchern unter Wasser möglich ist, können Tauchhandzeichen genutzt werden. Einige dieser Zeichen sind weltweit standardisiert und Gegenstand jeder Tauchausbildung. Wir haben in diesem Artikel 10 der wichtigsten Handzeichen vorgestellt sowie ihre Bedeutung erklärt und Ausführung beschrieben. Dazu gehören die Zeichen für „OK“, „Boot“, „Schau hin“, „Stopp“, „Keine Hektik“, „Ich friere“, „Umkehren“, „Gefahr“, „Hilfe“ und „Ich habe keine Luft mehr“. Je nachdem, ob einfache Informationen übermittelt werden sollen oder auf direkte und unmittelbare Gefahren hingewiesen werden muss – eine Kenntnis der richtigen Handzeichen ist für ein verantwortungsvolles Tauchen im Buddy-System unerlässlich.