Tauschschule: Was du zu deiner Tauchausbildung wissen musst

Apr 22, 2021 | 0 Kommentare

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland musst du nicht unbedingt eine Tauchschule besuchen, um tauchen zu dürfen. Aufgrund der bestehenden Gefahren unter Wasser ist das aber sehr zu empfehlen.
  • Tauchschulen gibt es nicht nur in typischen Urlaubsländern, sondern auch hier in Deutschland.
  • Eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung ist nicht unbedingt vonnöten, aber sehr empfehlenswert. Denn: Bestimmte gesundheitliche Defizite stellen unter Wasser ein Risiko dar.
  • Eine Tauchausbildung an einer renommierten Tauchschule besteht immer aus Theorie und Praxis plus Prüfung.
  • Die Kosten für einen Anfängertauchkurs halten sich in Grenzen, sie fallen je nach Tauchschule etwas unterschiedlich aus.
  • Du kannst zwischen verschiedenen weltweit anerkannten Organisationen wählen, um deinen Tauchschein zu machen.

Jemand, der eine Tauchausbildung oder ein Schnuppertauchen absolvieren möchte, wendet sich an eine Tauchschule. Dabei geht es nicht nur um den Grundlehrgang für Anfänger, sondern auch um Weiterbildungen für bereits geübte Taucher. Normalerweise lernen Interessierte in den Kursen theoretische Lektionen und führen gemeinsam mit ihrem Tauchlehrer praktische Übungen durch. Das heißt, dass die Tauchschule mindestens einen Seminarraum bereithält und ihren Schülern Zugang zu einem Gewässer bietet.

Theorie und Praxis gehen in der Tauchschule fest Hand in Hand, denn nur so erlangen die Kursteilnehmer die nötigen Fertigkeiten für sichere Tauchgänge. Auch die sogenannte Brevetierung, also die Überreichung des Tauchscheins nach erfolgreicher Abschlussprüfung, kann nur dann erfolgen, wenn der Prüfling theoretisch und praktisch „fit“ ist. Durch die Ausbildung führen geprüfte Tauchlehrer / Tauchlehrerinnen und teilweise auch Tauchlehrerassistenten.

Ist eine Tauchschule Pflicht?

Kann ich nicht einfach so tauchen gehen, ohne eine Tauchschule besucht zu haben? In Deutschland und vielen anderen Ländern besteht keine Pflicht, vor dem Tauchen einen entsprechenden Tauchkurs zu absolvieren. Allerdings ist diese Unterwassersportart mit derart vielen Gefahren behaftet, dass es keinen Sinn ergibt, ohne tiefer gehende Kenntnisse ins Abenteuer zu starten: Das könnte allzu schnell zu deinem Verhängnis werden!

In einigen Staaten, zum Beispiel in Australien, darfst du ohne Brevet deshalb gar nicht erst tauchen, zumindest nicht mit Geräten. Eine seriöse Tauchbasis wird dir, egal wo auf der Welt, keine Ausrüstung leihen, wenn du keine Tauchausbildung nachweisen kannst. Du müsstest dir also das gesamte Equipment kaufen, was reichlich teuer wird. Ergo spricht alles dafür, Zeit und Geld in eine solide Ausbildung zu investieren.

Wo finde ich eine Tauchschule?

Du hast zwei Möglichkeiten, deine Tauchausbildung zu absolvieren: entweder in einer lokalen Tauchschule in deiner Nähe – oder im Urlaub, zum Beispiel auf Mallorca, in Ägypten oder Australien. In Deutschland findest du keine besonders warmen Gewässer vor, ebenso wie es an Riffen und farbenfrohen exotischen Fischen mangelt. Trotzdem kann ein Tauchkurs in heimischen Gefilden nicht nur spannend, sondern auch schön und inspirierend sein.

Viele Gewässer in Deutschland sind nämlich unter der Wasseroberfläche interessanter als gedacht: Steilhänge, zauberhafte Landschaften, glitzernden Fische, überwucherte Wracks und geheimnisvolle Höhlen locken auch hier! Das Einzige, was fehlt, ist die Exotik und meistens auch die Wärme. Tauchschulen findest du fast an jedem touristisch erschlossenen Gewässer, zum Beispiel rund um den Bodensee und an Nord- und Ostsee, aber auch an vielen kleineren Seen.

Diese Gründe sprechen für und gegen den Besuch einer heimischen Tauschule:

  • Du erhältst eine Vorbereitung für den ersten Tauchurlaub
  • Du investierst keine kostbare Urlaubszeit
  • Der Unterricht findet in deutscher Sprache statt
  • Spätere Aufbaukurse kannst du beim selben Tauchlehrer buchen
  • Du erschließt dir eine vertrauenswürdige Anlaufstelle „nebenan“
  • Außerdem lernst du Tauchinteressierte aus deiner Nähe kennen
  • Nachteil: Es fehlen Wärme und Exotik bei den Tauchgängen

Tipp

Wie wäre es mit einer Runde Schnuppertauchen, um festzustellen, ob das Gerätetauchen und die ausgesuchte Tauchschule deinen Vorstellungen entsprechen? Der kurze, aber prägnante Einblick kostet dich ungefähr 25 bis 80 Euro.

Kann jeder eine Tauchschule besuchen?

Das Gerätetauchen stellt immer eine gewisse körperliche und psychische Belastung dar, der du standhalten musst. Für einen durchschnittlich gesunden Menschen spricht normalerweise nichts gegen den Besuch einer Tauchschule. Bei gewissen Krankheiten beziehungsweise mentalen Defiziten solltest du jedoch besser Abstand von deinem Vorhaben nehmen oder zumindest deinen Arzt befragen. Die folgende Liste hilft dir dabei, eine Entscheidung zu treffen.

Voraussetzung

Erklärung

Körperliche Kondition

Nach ein paar Treppenstufen bist du schon außer Atem? Dann solltest du an deiner Kondition arbeiten, bevor du zum ersten Mal auf Tauchgang gehst. Das Gerätetauchen strengt den Körper an und du könntest im Freiwasser auf echte Probleme stoßen, wenn deine Fitness versagt.

Arm-Bein-Koordination

Hier geht es sowohl um deine Sicherheit als auch um den Umweltschutz. Du musst deine Beine und Arme gezielt und sicher bewegen und deinen Körper damit koordinieren, um dich nicht zu verletzten oder beispielsweise Korallen zu beschädigen.

Grundlegende Gesundheit

Du hast eine chronische Krankheit oder bist aktuell nicht ganz gesund? Konsultiere in diesem Fall besser deinen Hausarzt, um deine Tauglichkeit zum Tauchen zu hinterfragen. Im Zweifelsfall verschiebst du den ersten Tauchgang besser auf später oder cancelst ihn ganz.

Ängste

Du hast eine wunde Stelle: deine Höhenangst – oder die Platzangst? Phobien können unter Wasser fatale Auswirkungen haben, zum Beispiel, wenn du an einem Steilhang oder durch eine Höhle tauchst. Hier musst du weiterhin mit Vernunft und Logik reagieren und darfst auf keinen Fall überreagieren.

Altersgrenze

Tauchen ist nicht wie Skifahren! Kleine Kinder können die Gefahrenlage unter Wasser kaum einschätzen und kommen nur schwer mit den Geräten klar. Tauchschulen nehmen Kinder ab etwa 10, besser noch ab 12 Jahren auf. Ab 14 bis 16 Jahre dürfen Jugendliche bereits an Erwachsenenkursen teilnehmen. Nach oben ist die Altersgrenze offen, ab 40 sind jedoch regelmäßige medizinische Tests angeraten.  

Ab wann dürfen Kinder in die Tauchschule?

Den Punkt „Kinder und Tauchen“ möchten wir an dieser Stelle noch detaillierter hinterfragen. Die körperliche Reife, um eine Tauchschule zu besuchen, erreichen die Jüngsten im Alter von etwa 8 Jahren, da zu diesem Zeitpunkt die Lungenbläschen genügend ausdifferenziert sind. Außerdem ist der Durchmesser der Atemwege vorher viel zu gering, sodass eine erhöhte Gefahr für eine Lungenüberdehnung während der Dekompression besteht. Die geistige Reife lässt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch auf sich warten: Mit 10 oder 12 Jahren ist es dann (meistens) soweit!

Achtung

Der Körper eines Kindes weist weniger Fettgewebe auf als der eines Erwachsenen. Deshalb kühlen Kinder schneller aus und sollten nicht bei unter 12 Grad Wassertemperatur tauchen. Die Tauchzeit sollte auf 30 Minuten beschränkt bleiben. Jede seriöse Tauchschule kennt diese Parameter und wendet sie an.

Brauche ich eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung?

Für den Besuch einer Tauchschule brauchst du nicht unbedingt eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung, manche Einrichtungen jedoch bestehen aus Haftungsgründen auf ein entsprechendes Attest. Eventuell möchtest du dich auch freiwillig zu deiner eigenen Sicherheit, einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung, kurz TTU, unterziehen. Dafür wendest du dich an einen speziell ausgebildeten Arzt, der deine körperliche Leistungsfähigkeit gezielt überprüft. 

Du unterziehst dich damit mindestens einem Lungenfunktionstest und einem EKG. Der Mediziner checkt auch deine Gehörgänge und Trommelfelle sowie deinen Allgemeinzustand. Eventuell vermerkt der Arzt auf dem Attest bestimmte Einschränkungen, zum Beispiel, dass du nicht in Strömungen tauchen darfst. Fällst du durch die Gesundheitsprüfung, sollte Gerätetauchen für dich tabu sein: Verschiebe den Besuch der Tauchschule auf einen gesundheitlich günstigeren Zeitpunkt.

Hinweis

Eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung behält bei unter 18-jährigen ein Jahr lang Gültigkeit. Junge Erwachsene bis 39 Jahre sollten sich alle drei Jahre untersuchen lassen, ab 40 wieder jährlich. So empfiehlt es die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM).

Die TTU bezahlst du aus eigener Tasche, damit erhöhen sich die Tauchschule Kosten um etwa 100 Euro. Für jüngere Patienten wird es etwas günstiger, die Ü40-Generation zahlt hingegen etwas mehr.

Wie läuft eine Tauchausbildung ab?

In deiner Tauchausbildung erwirbst du erste praktische Erfahrungen in der Unterwasserwelt und eignest dir das dafür nötige theoretische Wissen an. Wir erklären dir den Ablauf eines Anfängerkurses bei PADI, einem amerikanischen Unternehmen, das den Erwerb weltweit anerkannter Brevets anbietet. Einsteiger buchen bei den angeschlossenen Tauchschulen einen Open Water Diver Kurs, kurz OWD.

  • Anmeldung: Du erhältst die Unterlagen für deinen Tauchkurs. Dazu gehören in der Regel ein Lehrbuch, eine DVD und weitere Dokumente. Auch dein erstes Logbuch ist mit dabei, so kannst du von Anfang an über deine Tauchgänge Buch führen.
  • Zugangsdaten: Lass dir die Zugangsdaten zur Online-Plattform von PADI geben, um dort deine Lerneinheiten digital zu absolvieren.
  • Theoretische Ausbildung: In der theoretischen Ausbildung hast du die Möglichkeit, zweigleisig zu fahren. Informiere dich per DVD und mithilfe des Lehrbuchs über die einzelnen Themen und beantworte abschließend die Wissensfragen. Nimm am Präsenzkurs teil und folge dem Unterricht.
  • Equipment kennenlernen: Normalerweise handelt es sich beim Theorieteil um einen einzigen intensiven Abend. Zu diesem Anlass lernst du auch das Tauchequipment in einer praktischen Vorführung kennen.
  • Abschlusstest: Nun bist du in der Lage, den theoretischen Abschlusstest zu absolvieren, um zu zeigen, was du bereits gelernt hast. Bei bestandener Prüfung geht es ab ins Wasser.
  • Schwimmbad: In der sicheren Umgebung eines Schwimmbads findet dein erster Tauchgang statt. Deine Ausrüstung erhältst du leihweise von der Tauchschule. Du lernst die Handhabung der Geräte im flachen Wasser und führst einige leichte Übungen dazu durch.
  • Freiwasser: Nun geht es ins Freiwasser! Vier Tauchgänge stehen an, die meist auf zwei Tage verteilt werden. Zuerst wiederholt der Tauchlehrer mit dir die Übungen aus dem Schwimmbad, dann geht es gemeinsam daran, die Unterwasserwelt zu erkunden.
  • Brevetierung: Hast du alles erfolgreich hinter dich gebracht, erhältst du dein erstes Brevet und darfst dich in diesem Fall „PADI Open Water Diver“, kurz PADI OWD nennen.

Hinweis

Das ist längst noch nicht alles! Es existieren viele weitere Tauchkurse unterschiedlicher Anbieter und in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Du kannst dich, wenn du willst, fürs Tieftauchen qualifizieren, zum Wrack- und Höhlentauchen weitere Spezialkurse belegen und dich schließlich für eine Tauchlehrerausbildung entscheiden.

Wie hoch sind die Tauchschule Kosten?

Rechne für einen Anfängerkurs mit Tauchschule Kosten in Höhe von ungefähr 300 bis 500 Euro. Der tatsächliche Preis hängt davon, welche Schule du besuchst und wo diese sich befindet. In stark frequentierten Urlaubsregionen fallen die Kosten für den Tauchkurs oft höher aus, während dort, wo wenig Interesse besteht, die Preise sinken. Wenn du Geld sparen willst, dann hör dich sorgfältig um und lass dir verschiedene Angebote unterbreiten. Bedenke aber, dass womöglich Fahrt- und Unterkunftskosten hinzukommen und überlege dir gut, ob das Gesamtpaket (Tauchkurs und Urlaub) für dich passt. Bedenke auch, dass eine Tauchlehrerausbildung einiges mehr kostet.

Welche Tauschulen gibt es?

Tauchschulen formieren sich unter verschiedenen Dachverbänden und Tauchorganisationen, suche dir einen renommierten Anbieter heraus. Der folgenden Tabelle entnimmst du die wichtigsten Informationen für deine Entscheidung.

Tauchschulen / Tauchorganisationen Infos
Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Tauchkurse entsprechen den internationalen Regeln des CMAS, weltweit anerkannte Brevets, deutschlandweit aktiv
Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) Tauchkurse entsprechen den internationalen Regeln des CMAS, weltweit anerkannte Brevets, deutschlandweit aktiv
Professional Association of Diving Instructors (PADI) Bekanntester internationaler Tauchverband, weltweit aktive Tauchschulen, viele Standard- und Spezialkurse, ständig weiterentwickelt
Scuba Schools International (SSI) Tauchzentren in über 110 Staaten, beinahe 3.000 Tauchbasen, international anerkannte Brevets
National Association of Underwater Instructors (NAUI) Weltweite Anerkennung, seit 1959 aktiv, Ziel: sicherer Tauchsport, international aktiv, viele verschiedene Tauchkurse

 

Jetzt ist es an dir, deine Tauchschule zu wählen und die ersten Schritte in die Welt des Tauchsports zu wagen. Erobere dir ein spannendes Hobby, das dich an die verschiedensten Orte der Welt führt, stets auf der Suche nach dem nächsten Unterwasserabenteuer.

Wie lange ist ein Tauchschein gültig?

Bleibt nur noch die Frage: Wie lange bleibt mein Brevet gültig – muss ich meine Kurse regelmäßig wiederholen? An dieser Stelle dürfen wir dich entlasten: Ein Tauchschein der bekannten Tauchorganisationen bleibt genau wie der Führerschein lebenslang gültig, doch wenn du inaktiv bist, solltest du das Gelernte besser noch einmal auffrischen. Ein Auffrischungskurs bei einer Tauchschule bietet sich dann an, wenn du länger pausiert hast und dich nicht mehr sicher fühlst. Achte eigenständig darauf, immer auf dem neusten Stand zu sein, damit dir unter Wasser nichts geschieht.

 

  1. Photo by serenitydiver (Author), Piqsels Licence (Licence)
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