Höhlentauchen – Tauchen in der Dunkelheit

Sep 28, 2020 | 0 Kommentare

Das Wichtigste in Kürze

  • Höhlentaucher haben eine spezielle Ausbildung absolviert
  • Statt dem Backmount Tauchen wird beim Höhlentauchen das Sidemount Tauchen angewandt
  • Ausbildungen zum Höhlentaucher werden von unterschiedlichen Tauchorganisationen angeboten
  • Beim Grottentauchen setzen sich Taucher erhöhten Risiken aus, die durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden
  • Die Höhlenzonen werden nach der CMAS differenziert in: Cavern, Cage und Full Cage
Wer den Nervenkitzel des Unbekannten liebt und das große Abenteuer sucht, ist beim Grottentauchen genau richtig aufgehoben. Denn das Grottentauchen stellt eine besondere Variante des Tauchsports dar. Allgemein wird sie im direkten Vergleich zu einem normalen Tauchgang als gefährlicher eingestuft. Laut Statistiken ist die Unfallgefahr beim Grottentauchen 130-fach erhöht. Aus diesem Grund sind Höhlensysteme mit einem Warnschild versehen. Ist man ein einfacher Sporttaucher, sollte man spätestens, sobald ein solches Schild auftaucht, kehrtmachen, um sich aus der potenziellen Gefahr zu retten.
Auch in Deutschland bieten sich einige Möglichkeiten zum Höhlentauchen an.

Ausbildung zum Höhlentaucher

Die Höhlentauchausbildung wird von unterschiedlichen Ausbildungsorganisationen angeboten. Differenziert wird grundsätzlich in folgende Zulassungen:

  • Grottentaucher (Zone 1)
  • Höhlentaucher (Zone 2 / Zone 3)
  • Höhlentaucher (58 Meter)
  • Höhlentaucher-Guide
  • Höhlentauchlehrer (1 / 2 / 3)
Wichtig

Höhlentaucher ist nicht gleich Höhlentaucher. Es gibt unterschiedliche Arten von Ausbildungen in diesem Bereich. Je nachdem, welche Höhlentauchausbildung absolviert wurde, ist man ausschließlich für bestimmte Grottentauchgänge mit bestimmten Voraussetzungen qualifiziert.

Die Höhlenzonen

Die Confédération Modiale des Activités Subaquatique (CMAS) hat das Höhlentauchen enorm geprägt. Die Organisation differenziert das Grottentauchen in drei unterschiedliche Zonen. Hieran angelehnt sind in der Regel auch die Höhlentauchausbildungen, die daher bei allen Ausbildungsorganisationen nach den gleichen Parametern durchgeführt werden.

  • Zone 1 – Cavern: Wer sich in Zone 1 bewegt, ist ausschließlich in Höhlen unterwegs, die natürlich ausgeleuchtet sind. Es handelt sich also ausschließlich um die Eingangsbereiche von Höhlensystemen und Grotten.
  • Zone 2 – Cave: Tauchen in Zone 2 bedeutet, sich auf Pfade in vollständiger Dunkelheit zu begeben. Die maximale Tauchtiefe liegt hier bei rund 30 Metern. Wer in Zone 2 taucht, durchquert keine Engpässe oder Siphons.
  • Zone 3 – Full Cave: Zone 3 beschreibt das erweiterte Grottentauchen. Insbesondere Höhlenforscher besitzen die Lizenz, um in dieser Zone zu tauchen. Hier werden komplexe Höhlensysteme ohne weitere Einschränkungen erkundet. Teilweise begeben sich die Taucher in Höhlen, die mehrere Kilometer tief sind.

Die Tauchausrüstung eines Höhlentauchers

Die Ausrüstung eines normalen Sporttauchers unterscheidet sich in einigen Aspekten von der Tauchausrüstung eines Höhlentauchers. Neben der Tatsache, dass Höhlentaucher in der Regel Sidemount tauchen, sind noch andere Faktoren zu beachten. Die folgende Tabelle soll einen Überblick über die Essentials geben, die jeder Höhlentaucher unbedingt dabei sollte, um seine eigene Sicherheit und die seines Tauchbuddies zu gewährleisten.

 

Ausrüstung Funktion
Druckluftflaschen Versorgt den Taucher während des Tauchgangs mit ausreichend Sauerstoff. In der Regel ist der Luftvorrat beim Grottentauchen höher als beim normalen Sporttauchen.
Atemregler In der Regel wird mehr als ein Atemregler mitgeführt. Es gibt unterschiedliche Arten von Atemreglern. Beim Grottentauchen werden jedoch ausschließlich Atemregler verwendet, die für kalte Wassertemperaturen geeignet sind.
Tauchanzug Beim Grottentauchen ist ein gut isolierter Tauchanzug notwendig, damit die teils sehr niedrigen Wassertemperaturen den Tauchgang des Tauchers nicht negativ beeinflussen oder ihn sogar in Gefahr bringen.
Taucherlampe Auch Taucherlampen werden beim Höhlentauchen in mehrfacher Ausführung mitgenommen, da sie für die Orientierung unter Wasser essenziell sind. Befestigt werden die Lampen auf dem Helm des Tauchers, um sicherzustellen, dass beide Hände frei verfügbar sind.
Helm Jeder Höhlentaucher ist dazu verpflichtet, einen Helm zu tragen. Neben dem Aspekt der Sicherheit ist dieser notwendig, um die Lampe zu befestigen.
Primary Reel Die Basisleinenrolle wird auch als Führungsleine bezeichnet. Sie wird verwendet, um während des gesamten Tauchgangs eine permanente Verbindung zur Wasseroberfläche zu haben. Die Führungsleine ist in der Regel zwischen 80 und 100 Metern lang.
Safety Reel Die Sicherheitsleinenrolle dient dazu, dass Taucher beim Kontaktverlust der Basisleinenrolle zu dieser zurückfinden. Die Mindestanforderung ist hier eine Länge von 50 Metern.
Jump Reel Die Jump Reels haben in der Regel eine Länge von 20 bis 30 Metern und werden eingesetzt, wenn sich der Taucher bewusst für ein paar Meter vom Primary Reel entfernt.
Directional Markers Die Directional Markers dienen der Orientierung des Tauchers. Sie werden an der Basisleine befestigt und zeigen den Rückweg an.
Non-Directional Markers Die Non-Directional Markers werden ausschließlich zur Anwesenheitsmarkierung der Taucher verwendet.

Schwierigkeiten beim Höhlentauchen

Dass Grottentaucher eine besondere Ausbildung benötigen, kommt nicht von ungefähr. Wer sich in Unterwasserhöhlen begibt, sollte sich den Risiken im Vorfeld bewusst sein. Während des Tauchgangs können Taucher mit unterschiedlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden. Da im Notfall keine Zeit ist, über eine der Situation angemessene Handlung nachzudenken, werden Höhlentaucher im Zuge ihrer Höhlentauchausbildung ausreichend auf entsprechende Notfälle vorbereitet und verstärkt geschult.

1.     Der Druckausgleich – Ein Auf und Ab beim Grottentauchen

Während einige Höhlensysteme künstlich angelegt werden, um Tauchern einmalige Abenteuer zu ermöglichen, werden sie in der Regel jedoch von der Natur geschaffen und bieten insbesondere für Höhlenforscher ein beliebtes Ausflugsziel. Daher sind sie nicht gleichmäßig geformt und eben. Vielmehr verlaufen sie in einem stetigen Auf und Ab, was dem Taucher einiges abverlangt. Die hierdurch erforderliche dauerhafte Tarierung erfordert sowohl Konzentration als auch jede Menge Übung.

Die in kurzen Intervallen wechselnden Tauchtiefen bedeuten für den Taucher einen dauerhaften Druckausgleich. Hier ist Können gefragt. Denn um gefahrenlos in einer Höhle zu tauchen, ist es wichtig, dass der Druckausgleich ein automatisierter Prozess ist. Wer sich zu sehr darauf konzentrieren muss, den Druck an die unterschiedlichen Tauchtiefen anzupassen, begibt sich unter Umständen in andere Gefahrenzonen.

2.     Orientierungsverlust durch Sichteinschränkung

Wasser ist ständig in Bewegung. Kommen nun noch externe Quellen dazu, die Bewegung erzeugen, wie beispielsweise der Flossenschlag oder die ausgeatmeten Luftblasen, besteht die Gefahr, dass Staub aufgewirbelt wird oder sich Partikel von der Höhlendecke lösen. Auch ein minimaler Fehler der Tarierung kann dazu führen, dass Partikel beispielsweise vom Boden aufgewirbelt werden. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer enormen Sichteinschränkung des Tauchers, wodurch dieser die Orientierung verlieren kann. In einem solchen Fall ist es besonders wichtig, Ruhe zu bewahren. Auch auf diese Situationen werden Höhlentaucher während ihrer Ausbildung speziell vorbereitet.

3.     Der Atemgasvorrat – Mit der 1/3 Regel auf Nummer sicher

Der Atemgasvorrat wird beim Höhlentauchen statt auf dem Rücken (Backmount) in der Regel seitlich am Körper getragen (Sidemount). Um sicher zu sein, auch im Falle einer ungeplanten Verlängerung des Tauchgangs sicher an die Oberfläche zurückzukommen, werden Höhlentaucher auf die 1/3-Regel geschult. Der Atemgasvorrat wird in drei gleiche Teile aufgeteilt. Während ein Teil ausschließlich für das Hineintauchen in die Höhle in Anspruch genommen wird, gilt der zweite Teil dem Verlassen der Höhle. Das letzte Drittel stellt eine Sicherheitsreserve dar, die im Notfall auch für den Tauchbuddy reichen muss.

4.     Psychische Stabilität als Grundlage der eigenen Sicherheit

Psychische Stabilität ist eine Grundvoraussetzung, um sich während des Grottentauchens nicht in eine unmittelbare Gefahr zu begeben. Und das aus unterschiedlichen Gründen:

  • Es besteht keine Möglichkeit, einen Notaufstieg durchzuführen
  • Die Sichtverhältnisse sind sehr eingeschränkt
  • Dunkelheit und verengte Platzverhältnisse können für ein beklemmendes Gefühl sorgen, wodurch Panik ausgelöst werden kann

5.     Die Strömung – Ein gerne unterschätztes Parameter

Je nachdem, wo sich die Höhle befindet, in die getaucht werden soll, kann die Strömung zu erheblichen Komplikationen während des Tauchgangs führen. Daher ist die Faustregel weit verbreitet, dass immer gegen die Strömung in die Höhle getaucht wird, sodass für den Rückweg, bei dem der Taucher mit dem Strom schwimmt, weniger Kraft aufgebracht werden muss.

Achtung

Vorsicht ist geboten, wenn bereits der Hinweg mit der Strömung zurückgelegt wird. Denn dadurch erhöht sich auf dem Rückweg nicht nur der Zeitaufwand, sondern auch die physische Anstrengung und somit der Atemgasverbrauch erheblich.

Höhlentauchen in Deutschland –Einige der besten Spots

Wer nach der optimalen Möglichkeit zum Grottentauchen in Deutschland sucht, kann getrost auf unterschiedliche Bergwerke zurückgreifen, die bereits seit einiger Zeit stillgelegt sind.

Das Bergwerk in Miltitz-Roitzschen

Bis 1924 wurde im Bergwerk Miltitz-Roitzschen Kalk abgebaut. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde die Stätte noch genutzt. Jedoch nicht als Bergwerk, sondern als Verlängerung für eine Benzinfabrik. Während in den Sommermonaten ausgiebige Führungen durch das Bergwerk angeboten werden, kann es in den Wintermonaten, vorausgesetzt das Wetter stimmt, betaucht werden.

Innerhalb des Bergwerks gibt es unterschiedliche Stellen, an denen die Taucher an die Oberfläche dringen können. Doch auch tiefere Bereiche können je nach Belieben betaucht werden. Während des Tauchgangs im Bergwerk können unterschiedliche Gegenstände aus der Zeit, in der das Bergwerk noch intakt gewesen ist, bestaunt werden. Langweilig wird es hier sicherlich nicht.

Hinweis

Der Großteil des Bergwerks Miltitz-Roitzschen ist schon verleint. Trotzdem bietet es sich an, ein Reel mitzunehmen. Nur für den Fall…

Das Schieferbergwerk in Nuttlar

Die Hallen und Gänge, die im Bergwerk in Nuttlar zu finden sind, sind rund 20 Kilometer lang. Doch nur 12 km können betaucht werden. Das Bergwerk erstreckt sich insgesamt auf fünf Ebenen, von denen ausschließlich die unteren beiden Ebenen geflutet sind. Bis 1985 war das Bergwerk in Betrieb, dann wurde der Strom abgeschaltet, womit die Überflutung begann.

Die Maximaltiefe, auf der getaucht werden kann, liegt bei 30 Metern. Das Bergwerk ist in jeder Hinsicht beeindruckend. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Neben Gegenständen aus der Zeit, als das Bergwerk noch in Betrieb war über ganze Züge und Lampen bis hin zu riesigen Hallen und beeindruckenden Gängen ist alles zu finden.

Die Sichtverhältnisse unter Wasser sind im Bergwerk Nuttlar enorm gut. Doch kleine Tarierfehler oder Bodenkontakt werden unmittelbar mit einer Verschlechterung der Sicht bestraft.

Wichtig

Das Höhlentauchen im Bergwerk Nuttlar ist ausschließlich ausgebildeten Höhlentauchern gestattet. Eine Voranmeldung ist beim Betreiber daher zwingend notwendig.

Bergwerktauchen in der Schiefergrube Felicitas

Zu finden ist diese Option zum Höhlentauchen in Deutschland im Hochsauerlandkreis. Wer eine Höhlentauchausbildung nachweisen kann, hat die Möglichkeit, sich auf den zwei Ebenen des Bergwerks frei zu bewegen.

Ist dies nicht der Fall, kann auf begleitete Tauchgänge zurückgegriffen werden. Doch auch hier gibt es Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Als Mindestanforderung gilt neben einem Advanced Nitrox Brevlet oder Fundamental Kurs mit TEC-Zertifizierung nachweisliche Erfahrung im Kalt- und Trockentauchen.

Hinweis

Nach Absprache kann in der Schiefergrube Felicitas eine Tauchausbildung zum Mine Diver vorgenommen werden.

Höhlentauchen in Mexiko

Auch an anderen hübschen Plätzen der Welt können Taucher sich in das Abenteuer Höhlentauchen stürzen. Ein besonders beliebtes Ziel ist hierfür Mexiko. Die mexikanische Riviera bietet mit ihren Cenoten den idealen Tauchplatz für jeden Höhlentaucher. Diese Region gehört zu den längsten Unterwasser-Höhlensystemen der Welt und noch immer sind nicht alle Abschnitte erforscht. In jedem Winkel werden neue Cenoten gefunden, die für Höhlentaucher perfekte Bedingungen fürs Grottentauchen bieten.

Wer sich dazu entscheidet, die Schönheit und Vielfalt der mexikanischen Unterwasserwelt zu besuchen, der kann dies mit einem ausgebildeten Höhlentaucher oder Dive-Master nach Belieben tun. Der Vorteil der Cenoten ist, dass sie bereits mit Führungsleinen ausgestattet sind, wodurch die Orientierung für die Taucher erleichtert wird.

Grottentauchen – Ein anspruchsvolles Unterfangen

Schon lange tauchen nicht mehr nur Höhlenforscher in den Grotten dieser Welt. Grottentauchen hat sich zu einer vollkommen eigenen Disziplin des Tauchens entwickelt. Es ist nur in seinen Grundzügen mit dem Sporttauchen vergleichbar. Um tatsächlich auf eigene Faust in den unterschiedlichen Höhlen der Welt abtauchen zu können, benötigt es eine entsprechende Tauchausbildung. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich Taucher den Risiken bewusst sind, denen sie sich in unbekannten und teilweise sehr komplexen und engen Höhlensystemen aussetzen.

 

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