BCD – Die Aufgaben deiner Tarierweste

Feb 20, 2020 | 0 Kommentare

by Hossam el-Hamalawy, CC BY-SA 2.0

Das wichtigste Utensil eines Gerätetauchers ist ohne Frage die Tarierweste, auch BCD (Buoyancy Control Device) genannt. Das BCD, beziehungsweise das gesamte BCD System, regelt nicht nur den Auf- und Abtrieb des Tauchers, sondern ist darüber hinaus auch der Träger für fast alle Utensilien, die er mit sich führt. Dazu gehören die Tauchflasche, Taschenlampe, Kamera, der Oktopus und viele weiteren Ausrüstungsgegenstände.

In diesem Artikel soll es um die verschiedenen Aufgaben gehen, die das BCD erfüllt, aber auch darum, wie sie zu ihrem vollen Potenzial ausgenutzt und gepflegt wird.

 

—Inhaltsverzeichnis—

Was ist eine Tarierweste (BCD)?

Das BCD oder die Tarierweste ist eine Weste aus Nylongewebe, die der Taucher über den Schultern trägt und vor dem Bauch und der Brust verschließt. Es ist aufgrund seiner Bauform sehr leicht und erfüllt gleich mehrere wichtige Zwecke, auf die kein Gerätetaucher verzichten kann.

Ohne BCD tauchen ist natürlich auch möglich, allerdings nur in sehr engem Rahmen. So benötigen zum Beispiel Apnoetaucher kein BCD System, sondern tauchen nur mit ihrem Taucheranzug. Dann sind sie allerdings auf ihren eigenen Atemvorrat angewiesen, was ein gänzlich anderes, kürzeres Tauchkonzept und -erlebnis bedeutet, als das klassische Gerätetauchen. Zwar ist es theoretisch möglich, auch mit quasi „leichtem Gepäck“ und einer mobilen Tauchflasche länger zu tauchen, das ist allerdings eher unüblich und soll an dieser Stelle nicht als Maßstab dienen.

Wozu braucht man ein BCD?

Ein BCD ist dazu da, alle schweren Gerätschaften des Tauchers zu tragen und gleichzeitig alle kleinen Utensilien zu fixieren, damit der Taucher beim Tauchen die Hände frei hat. Wie eingangs beschrieben umfasst das Repertoire eines BCD diverse unterschiedliche Gegenstände wie die Tauchflasche, Kamera, Lampe & Co. und ist damit äußerst praktisch. Da ein Taucher eine ganze Menge an Ausrüstungsteilen mit in die Unterwasserwelt nehmen muss, wird durch das BCD vergewissert, dass er sich ganz auf den Tauchvorgang und die notwendigen Maßnahmen und Regeln konzentrieren kann.

Darüber hinaus hat das BCD aber auch noch eine weitere wichtige Funktion und das ist das Tarieren unter Wasser. Der Mensch besitzt einen natürlichen Auftrieb, der ihn im Wasser nach oben drückt. Mithilfe von Gewichten in der Weste wird erreicht, dass der Taucher durch zusätzliches Gewicht absinken kann, aber dieses Absinken und auch den Aufstieg durch ein Luftpolstermanagement steuern kann.

Aufbau eines BCD

Ein BCD System besteht allerdings nicht nur aus einer Weste allein, sondern umfasst weit mehr. Es besteht aus verschiedenen Teilen, die im Folgenden vorgestellt werden sollen. Dazu gehören:

  • Gurte
  • Auftriebskörper
  • Eine Trageschale
  • Ventile

Gurte und Trageschale

Die Gurte des BCD halten es am Rücken des Tauchers. Er kann sie individuell einstellen, sodass das BCD optimal sitzt und das ist auch seine Pflicht während der Vorbereitung des Tauchgangs. Im Rücken verfügt die Weste zudem über eine Trageschale aus Kunststoff, Metall oder ebenfalls aus Gewebe. Dies bestimmt zu einem großen Teil, wie schwer oder platzsparend ein BCD letztlich ist. Für den Urlaub ist es beispielsweise sinnvoll, ein BCD Travel Modell zu wählen, das leichter und platzsparender ist, da es im Gepäck verstaut werden muss, welches für einen Flug ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten darf.

Auftriebskörper und Ventile

Auf der anderen Seite sind in die Tarierweste verschiedene Luftkörper eingearbeitet, die der Taucher selbst mit Luft befüllen kann oder aus denen er Luft ablassen kann. Dies geschieht über ein Schlauch- und Ventilsystem am BCD. Über einen Faltenschlauch an der Seite des BCD kann über den Mund des Tauchers Luft hineingeblasen werden. Aufgrund der physikalischen Eigenschaft von Luft, immer nach oben zu steigen, befinden sich an der BCD mehrere Ablassventile. Dies ermöglicht ein Ablassen der Luft aus allen möglichen Körperpositionen unter Wasser.

Welche Bauarten eines BCD gibt es?

 

Ein BCD System gibt es in verschiedenen Ausführungen. Diese unterschieden sich nicht in ihrer grundlegenden Funktion, sondern ausschließlich in ihrer Bauart. So verzichten beispielsweise einige neuere Modelle auf den typischen Faltenschlauch an der Seite des BCD, damit dieser nicht störend auf die Bewegungsmöglichkeiten des Tauchers einwirkt.

BCD Format

Das BCD Format richtet sich in erster Linie an der Positionierung der Auftriebskörper und in den verwendeten Materialien. Die folgende Tabelle stellt die vier Hauptformate von BCDs näher vor.

BCD Format

Beschreibung

Adjustable Divers Vest (ADV)

Die ADV zeichnet sich durch ihre Verstellbarkeit aus. Das Rückenteil ist starr und aus Kunststoff, unter den Armen und an der Hüfte des Tauchers befinden sich die Luftkörper.

Stabilizer Jacket

Stabilisier-Westen haben einen größeren Auftrieb als ADVs und werden teilweise als ohnmachtssicher beworben. Das heißt, bei Ohnmacht wird der Taucher auf den Rücken in eine stabile Position gedreht. Leider sind Stabilizer Jackets sehr schwer anzuziehen und bieten wenig Bewegungsfreiraum. Zugleich müssen sie dem Taucher exakt passen, um zu funktionieren. Bei andauernden Gewichtsveränderungen braucht es eine neue Weste.

Wing Jackets

Wie Flügel befinden sich die Auftriebsblasen bei einem Wing BCD im Rücken. Dadurch kann ein Taucher einfacher in waagerechter Position tauchen, was wiederum die Fortbewegung erleichtert. Dieses BCD Format eignet sich gut, wenn viel Equipment getragen werden muss.

Hybrid Jacket

Ein Hybrid Jacket verbindet die Vorzüge von ADV und Wing Jacket. Dadurch bietet es im Vergleich zum ADV einen überlegenen Auftrieb, ist im Vergleich zum Wing BCD jedoch leichter.

 

Beispiele für BCDs

Auf dem Markt gibt es mittlerweile viele unterschiedliche Tarierwesten, die diverse Spezialfunktionen bieten oder für spezielle Zielgruppen von Tauchern gedacht sind. So gibt es zum Beispiel das Aqualung pearl i3 BCD, welches eigens für Frauen entworfen wurde. Durch seine spezielle Gurtposition und kürzere Länge ist es besonders für Taucherinnen komfortabler als alternative Modelle. Das Mares Hybrid ProTec als zweites Beispiel, besticht hingegen mit Komfort bei gleichzeitig großer Variabilität in der Nutzbarkeit. An insgesamt 10 D-Ringen lassen sich allerhand Geräte befestigen, ohne dass der Platz knapp wird.

BCD Travel

Wer sein eigenes BCD besitzt und damit in den Urlaub fliegen möchte, muss sich natürlich Gedanken über den Transport machen. Nicht jede Tarierweste ist reisetauglich, wie schon oben erwähnt, gibt es durchaus schwere und sperrige Modelle. Man sollte sich daher bestenfalls nach einer BCD Travel Lösung umschauen, möglicherweise in Form einer leichten Zweitweste. Es gibt inzwischen auch leichte Hybrid Modelle auf dem Markt, die über viele Vorteile größerer Westen verfügen. Zusätzlich sollte man sich fragen, ob man den großen Funktionsumfang eines Profimodells wirklich im Urlaub benötigt, oder ob man sogar auf ein Leihmodell am Urlaubsort zurückgreifen möchte. Teilweise sind die internationalen Tauchbasen mit guten Exemplaren ausgerüstet. In einem solchen Fall muss natürlich der Zustand kontrolliert werden und man muss sich mit der Fremdweste ausreichend vertraut machen.

Wie benutzt man eine BCD?

Bild von Steve Howard auf Pixabay

Ebenso wie bei einem BCD das richtige Modell gewählt werden sollte, ist es auch wichtig, zu wissen wie die Tarierweste optimal genutzt werden kann. Dabei spielt es insbesondere eine Rolle, den gesamten Funktionsumfang der Weste zu kennen und sofort zu wissen, wo sich was befindet. Darüber hinaus muss ein BCD auch angemessen instandgehalten werden. Ansonsten riskiert der Taucher Fehlfunktionen.

BCD Diving: Die richtige Benutzung

Beim BCD diving kommt es auf die richtige Benutzung des BCD an. Ist man nicht vollständig mit der Weste vertraut und weiß nicht im Schlaf, an welcher Stelle sich welches Ausrüstungsstück befindet, so begibt man sich in potenzielle Gefahr. Natürlich muss es nicht immer Sekundenbruchteile brauchen, um einen Gegenstand zu finden, dennoch ist ein Taucher im Notfall auf die Schnelligkeit und Zielsicherheit seiner eigenen Handlungen angewiesen.

Dabei lohnt sich auch ein Blick in die Bedienungsanleitung, bevor man mit dem BCD tauchen geht. Jede Weste ist anders und viel zu viele auch erfahrene Taucher haben Probleme, sich im Wasser richtig zu tarieren. Es braucht einiges an Übung, bevor man es im Gefühl hat, wie man zielsicher mit Einlass- und Auslassventil agiert.

In jedem Fall muss vor dem Tauchgang der Sitz überprüft werden und die Erreichbarkeit aller Funktionen muss bereitgestellt sein. Dies führt man bestenfalls noch an Land durch, wenn man die Ausrüstung testweise komplett anlegt. Die Funktionen, beispielsweise von Verschlüssen und Bleiabwurf lassen sich auch noch auf dem Weg zum Tauchort testen. Spätestens aber, wenn man auf dem Boot BCD und Flasche anlegt, sollte klar sein, dass die Weste sitzt und funktioniert.

Richtige Instanthaltung

Ein Taucher muss sich immer auf seine Ausrüstung verlassen können, die Tarierweste ist dabei der wichtigste Teil des Equipments. Sie entscheidet bedeutend darüber, ob der Taucher am Ende des Tauchgangs wieder auf dem Boot sitzt, oder ob sich ein Suchtrupp auf der Suche nach ihm befindet.

Das bedeutet natürlich auch, dass die Weste immer instandgehalten werden muss, damit sie nicht verschleißt. Ein BCD ist eine Investition für Jahre und kann entsprechend auch solange halten – die richtige Wartung vorausgesetzt.

Im Folgenden finden sich einige Tipps zum angemessenen Umgang mit der Weste nach dem Tauchgang.

  • Die Weste sollte immer mit Frischwasser abgewaschen Salz kann das Material auf Dauer schädigen. Das Innere lässt sich oft ebenfalls mithilfe eines Schlauchanschlusses durchspülen.
  • Nach dem Spülen sollte die Weste (nicht in der prallen Sonne) getrocknet werden. Dabei sollte sie verkehrt herum aufgehängt werden.
  • Es ist sinnvoll, die Weste jährlich von einem Fachhändler prüfen zu lassen. Dieser kennt typische Verschleißpunkte und kann Garantieansprüche direkt geltend machen.
  • Die Bleitaschen müssen nach der Nutzung geleert werden und das BCD an einem trockenen, kühlen Ort aufbewahrt werden.

by SCUBATOO, CC BY 2.0

Kosten einer BCD

Ein BCD ist eine Investition für mehrere Jahre und kann daher mehrere Hundert Euro kosten. Das ist nicht ungewöhnlich und sollte auch nicht abschrecken. Es ist sinnvoll, sich für ein gutes Modell zu entscheiden, welches einen Taucher über eine lange Zeit zuverlässig begleitet. Professionelle BCDs kosten schnell 500€ und mehr. Günstige und gute Einsteigermodelle gibt es bereits ab 300€, wobei die Größe den Preis mitbestimmt. Männer zahlen also grundsätzlich etwas mehr als Frauen.

Fazit und Kurzfassung für Eilige

Die Tarierweste (BCD – Buoyancy Control Device) ist der wichtigste Teil des Tauchequipments. Sie sorgt für Auf- und Abtrieb im Wasser und dient als Befestigungsort für fast alle Ausrüstungsteile. Daher muss sie mit Bedacht gewählt werden und ist durchaus eine Investition für mehrere Jahre. Sie kommt in verschiedenen Ausführungen von leichten Modellen mit weniger Auftrieb zu schwereren Modellen mit mehr Auftrieb und Befestigungsmöglichkeiten. Wichtiger noch als die für den Anwendungszweck richtige Wahl ist die richtige Benutzung des BCD. Diese will gelernt sein, damit ein Tarieren im Wasser zielsicher möglich ist und der Taucher auch in Stresssituationen weiß, wo an seiner Weste sich was befindet. Dies macht sowohl Anfängern wie auch Fortgeschrittenen häufig Probleme. Richtig verwendet allerdings, funktioniert die Tarierung scheinbar wie von selbst.